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Di, 21. Oktober 2014

Ausstellung "Exil–Blickwechsel in der Kunst"

Feierlich gespannte Stimmung im Südfoyer der Kunsthalle am Abend des 20. Oktober. Geige und Gesang ertönen. Zwie junge Flüchtlinge, Marjan Amiri und Jihad Jazneh, stimmen das Publikum mit Klängen aus ihrer Heimat ein. Herren in dunklen Anzügen, darunter auch Bürgermeister und Kultursenator Jens Böhrnsen, und teils festlich gekleidete Damen, flanieren in kleinen Grüppchen an den ausgestellten Gemälden, Zeichnungen und Drucken entlang. Die Künstler sind Menschen, die erst vor wenigen Monaten aus Syrien, dem Iran und Afghanistan hier in Bremen ankamen. Einige von ihnen wohnen noch in den Übergangswohnheimen der Stadt. Auf Einladung der AWO und der Kunsthalle nahmen sie, gemeinsam mit ihren freiwilligen Begleiterinnen, an fünf Nachmittagen an dem Malworkshop „Exil – Blickwechsel in der Kunst“ teil. Koordiniert hat das Projekt, das nun dank der swb in die zweite Runde gehen kann, Lucyna Bogacki, Koordinatorin des zivilgesellschaftlichen Engagements im Flüchtlingsbereich in Bremen.

Bürgermeister und Kultursenator Jens Böhrnsen im Gespräch mit …
Bürgermeister und Kultursenator Jens Böhrnsen im Gespräch mit Zarah Hakami Jalilzadeh

„Wir wollen die Menschen, die aus Krisenländern hierher geflohen sind, am hiesigen Kulturleben teilhaben lassen“, erklärt Christoph Grunenberg, der Direktor der Kunsthalle. „Dabei war es uns bei diesem Projekt ein Anliegen, dass sie sich von unserer Sammlung inspirieren ließen, aber gleichzeitig auch ihre eigenen Erlebnisse verarbeiten konnten.“ Künstlerische Anleitung erhielt die Gruppe durch Dina Koper. Die freischaffende Künstlerin gibt seit elf Jahren verschiedene Workshops in der Kunsthalle. Sie ist begeistert von der Kreativität und Eigeninitiative der sieben Neubremer: „Hier brauchte ich kaum zu animieren. Die meisten hatten sogar schon Erfahrung in verschiedenen Techniken wie Öl, Acryl oder Pastell. Die gemeinsame Arbeit und der Austausch waren unglaublich bereichernd.“
Sadeq Hema, ein junger Kunststudent aus Damaskus, konnte sein Studium in der Heimat nicht abschließen. Er ist begeistert von der Gelegenheit, die sich ihm hier bot. „Ich bin so dankbar, das machen zu können, was ich liebe“, sagt er. Seit erst drei Monaten ist der Syrer hier. Auf die Frage, was er gemalt habe antwortet er: „Meinen Schmerz“ und deutet auf die in dunklen Farben gehaltenen, expressionistisch verzerrten Konterfeis an der Wand. „Das ist meine Familie.“
Zarah Hakami Jalilzadeh kam vor neun Monaten mit ihrer Schwester, ihrem Mann und ihrer Tochter Shouka nach Bremen. Sie arbeitete mit verschiedenen Blautönen, denn sie wollte einen Blick, der ihr aus ihrer iranischen Heimatstadt im Kopf geblieben ist, abbilden. „Dort wohnte ich fünf Minuten vom Meer entfernt“, erinnert sie sich wehmütig. „Das nenne ich Willkommenskultur“, sagt Jens Böhrnsen. „So wünschen wir uns das.“ Dass Flüchtlinge über die Kunsthalle in den Dialog mit den Einheimischen treten, könne ein wichtiger Beitrag sein, dass sie sich hier zu Hause fühlen können. „Denn Zuhause ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf“, so Böhrnsen.

Ausstellung noch bis zum 23. Oktober im Südfoyer der Kunsthalle

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