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Di, 16. Dezember 2014

Wie sieht „Willkommenskultur“ in Bremen aus?

Was konkret ist eigentlich „Willkommenskultur“: Eine Geisteshaltung der gegenseitigen Toleranz? Ein Hinarbeiten auf ein gemeinsames Miteinander? Die Anliegen der Menschen, die neu zu uns kommen, an- und ernst zu nehmen? Und wie funktioniert „Willkommenskultur“ im Bremer Alltag? Zu dieser Diskussion hatte der Bremer Rat für Integration am 10. Dezember in den EuropaPunkt eingeladen. Anlass waren die „16. MigrantInnentage gegen Ausgrenzung“ im Lagerhaus.

Am 10. Dezember diskutierten
(v.l.): Bettina Scharrelmann (Leite …
Am 10. Dezember diskutierten (v.l.): Bettina Scharrelmann (Leiterin der Abt. für Aufenthalt und Einbürgerung beim Stadtamt; früher: Ausländerbehörde), Petra Kodré (Leiterin des Referates Zuwandererangelegenheiten bei der Senatorin für Soziales), Libuse Cerna (BRI-Vorsitzende) und Jutta Berninghausen (Intercultural Management der Hochschule).

Ein Signal in Richtung „Willkommenskultur“ ist in Bremen mit der Überarbeitung des Konzepts „Ausländerbehörde“ gegeben worden. Nach vielen Negativschlagzeilen in den vergangenen Jahren arbeitet man nun daran, sich zu einer Servicestelle für Menschen ohne deutschen Pass zu entwickeln. „Wir sind keine Behörde mehr“, so Bettina Scharrelmann, Leiterin der Abteilung für Aufenthalt und Einbürgerung beim Stadtamt (früher: Ausländeramt). Vielmehr hat der seit 2012 kontinuierlich aufgestockte Mitarbeiterstamm die Aufgabe, sich „zu kümmern“. „Wenn man von ‚Willkommenskultur’ spricht, ist es wichtig darauf zu achten, dass wir allen die gleichen Bedingungen bieten “, so Scharrelmann. Anders als nach dem Hamburger Vorbild des „Welcome-Centers“, das hauptsächlich die Highpotentials, die für die Wirtschaft so wichtigen Fachkräfte, willkommen heißt. Unterschiede werden auch von behördlicher Seite gemacht, es gelten für die Einwanderer verschiedene Gesetze, je nach Herkunftsland – ob EU, Türkei oder Australien.
„Teil der Willkommenskultur muss es außerdem sein, mehr nach den Potentialen der Menschen zu gucken – nicht nur bei den Hochqualifizierten“, meint auch Petra Kodré, Leiterin des Referates Zuwandererangelegenheiten bei der Senatorin für Soziales. Es gehöre jedenfalls nicht zur Willkommenskultur, bestimmte Gruppen zu bevorzugen: die gewollten und die ungewollten Zuwanderer. Die Syrer etwa seien beliebt, da viele von ihnen gut ausgebildet sind und englisch sprechen. Die Bulgaren und Rumänen, vor allem die Roma-Familien, haben dagegen einen schweren Stand.
Stärken, Begabungen und Talente hat jeder Mensch, doch die zu „entdecken“ kostet Zeit und damit Geld. Also holt man sich lieber bereits ausgebildete Menschen, so genannte „Highpotentials“ ins Land. Ist das der richtige Ansatz? Jutta Berninghausen vom Intercultural Management der Hochschule Bremen: „Wenn ich allein bei uns an der Hochschule gucke, haben wir bereits viel Potential hier im Land“. An der Bremer Hochschule, so Berninghausen, gäbe es überdurchschnittlich viele ausländische Studierende, vor allem in den technischen Studiengängen, die ihr Studium abbrechen. Die Gründe sind oftmals kulturell begründet. Zwar gebe es ein „International Office“ auf dem Campus, das ausländische Studierende bei der Wohnungssuche, der Auswahl der Kurse etc. unterstütze, dennoch sei der Kulturschock manchmal zu groß. „Viele kennen aus ihren Herkunftsländern eine andere Lernkultur, auch die Umgangsformen untereinander müssen erst erlernt werden und letztlich sind oft die Sprachkenntnisse nicht ausreichend. „Da könnte man noch viel machen“, so Berninghausen, wie etwa Vorbereitungskurse oder -semester und vertiefende Sprachkurse für die, die länger bleiben wollen. Im Grunde müsse man aber noch viel früher ansetzen: „Bei aller Knappheit der Mittel müssen wir bessere Bedingungen an den Schulen schaffen“, so Berninghausen. „Das käme Zugewanderten wie Einheimischen zugute.“

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