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Do, 10. Dezember 2015

„Flüchtlinge und Beschäftigung“

BRI trifft Staatsrat Ekkehart Siering zum politischen Austausch

In der vergangenen Legislaturperiode war das Thema „Integration“ zur Chefsache erhoben worden. Der Bremer Rat für Integration (BRI) war der Senatskanzlei angeschlossen. Zweimal im Jahr lud Jens Böhrnsen das Gremium für einen politischen Austausch ins Rathaus ein. Die sogenannten „Bürgermeistergespräche“ werden in der neuen Legislaturperiode, in der der BRI wieder wie zuvor bei der Sozialbehörde angesiedelt ist, fortgeführt mit hochrangigen Vertretern aus den Ressorts. Unterstützt wird der politische Austausch von der Sozial- und Integrationssenatorin Anja Stahmann.
Am Freitag, 4. Dezember, traf der BRI auf Ekkehart Siering, der seit Juli 2015 Staatsrat beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen ist. Der Austausch stand unter der Überschrift „Flüchtlinge und Beschäftigung“. Vorstandsmitglieder und Vertreter der Arbeitsgemeinschaften „Kultur“, „Arbeit“, „Bildung“, „Jugend“ und „Flüchtlinge“ des BRI hatten Fragen und Empfehlungen ausgearbeitet, mit denen sie den Staatsrat konfrontierten.
Zunächst sprach Siering davon, dass Bremen im laufenden Jahr mit rund 10.000 Flüchtlingen rechne. Der Bereich Arbeit sei dabei natürlich besonders gefordert. „Wir sind mit den Kammern und den Unternehmen im Gespräch und erleben dort eine große Offenheit“, so Siering.
Der BRI nahm die Bereitschaft und den guten Willen der Unternehmen zur Kenntnis, bemängelte aber, dass der Einstieg in den Arbeitsmarkt besser gesteuert werden müsse. Selbst bei optimaler Begleitung würde ein Flüchtling bestenfalls frühestens in fünf Jahren in Lohn und Brot stehen können. Ein großes Thema sei neben dem Spracherwerb die Kompetenzermittlung: Welche Qualifikationen bringt ein Bewerber mit? Außerdem brauchten Geflüchtete, parallel zum Spracherwerb (Niveau B1, B2, C1), Unterstützung in Form eines Job-Coachings und einer individuellen Berufsbegleitung, sie brauchten Unterstützung bei der Vermittlung von Praktika, Ausbildungsstellen, Umschulungsmaßnahmen etc.
Liefen Spracherwerb und Erwerbsintegration parallel, würde der Integrationsprozess also beschleunigt. Das sei zwar auch seitens des Bundesarbeitsministeriums inzwischen eingesehen worden, doch: „Es ist viel in Bewegung, viel wird angekündigt, aber was wird wirklich umgesetzt?“, fragt Ulrike Brunken, Mitglied der AG Arbeit des BRI. Brunken bemängelte, dass ein übergeordneter Plan und eine zentrale Steuerung bei der Erwerbsintegration fehlten. In Bremen gebe es viele kleine, punktuelle Projekte. Aber wie schaffe man es Angebot und Nachfrage zusammenzubringen? Sicher müssten, auf der operationalen Ebene, die Unternehmen beispielsweise in den Stadtteilen direkt mit den Flüchtlingen zusammen kommen. Dennoch sei eine zentrale Steuerung auf strategischer Ebene unerlässlich. Diese Steuerung könne etwa vom Arbeitsressort geleistet werden.
Staatsrat Ekkehart Siering erklärte, dass er die „integrative Steuerung“ sowie alle Themen, die besprochen wurden, „als zentrale Aufgabe, in unserem Ressort“ sieht. „Die Themen haben wir auf dem Zettel, an denen arbeiten wir und versuchen zu koordinieren.“ Derzeit sei sein Ressort in Hunderte von Prozessen eingebunden. „Wir haben viele Fäden in der Hand, die wir versuchen sinnvoll zu verknüpfen, so dass daraus ein Teppich entsteht.“ Gleichzeitig warnte er davor, alles auf die Flüchtlinge zu fokussieren und all die anderen aus dem Blick verlieren, die ebenfalls noch in Lohn und Brot gebracht werden müssten. Deshalb kam zum Schluss eine seit Jahren immer wieder gestellte Forderung des BRI auf den Tisch: in Bremen einen Beschäftigungsgipfel zu etablieren. Der Staatsrat versprach, darüber nachzudenken.

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