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Mo, 23. März 2015

„Schule ist der Schmelztiegel der Integration“

Bereits vor drei Monaten, im Dezember 2014, hatten Bürgermeister und Bremer Rat für Integration (BRI) zusammen gesessen. Allein die Zeit reichte nicht, alle wichtigen Themen zu besprechen. Nun ist man übereingekommen, sich regelmäßiger zu aktuellen Themen auszutauschen. Zweimal im Jahr sind Treffen anberaumt, im Frühjahr und im Herbst, mit Jens Böhrnsen und wechselnden Senatoren. Am Freitag, 20. März 2015 war der BRI deshalb schon wieder zu Besuch im Rathaus. Diesmal mit dabei: Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt und Helmut Kehlenbeck von der Bildungsbehörde. Das anderthalbstündige Gespräch bezog sich vorrangig auf den „Entwicklungsplan Migration und Bildung für das Land Bremen 2014–2018“ (EMiBi).

V.l.: Silke Harth
(Integrationsbeauftragte), Libuse Cerna (BRI-V …
V.l.: Silke Harth (Integrationsbeauftragte), Libuse Cerna (BRI-Vorsitzende), Bgm. Jens Böhrnsen, Eva Quante-Brandt (Bildungssenatorin)

Die AG Bildung des BRI hatte das Gespräch vorbereitet Themen dieses Nachmittags waren die Überwindung des Zusammenhangs von sozialer Lage und Bildungserfolg, Gendersensibilität, Schule als Ort der Vielfalt und außerschulische Bildung im Sozialraum.

Offen oder gebunden?
Mitglied und Leiterin der AG „Bildung“, Doris Bollinger, eröffnete die Diskussion: „Grundsätzlich beschreibt der EMiBi eine Pädagogik der Vielfalt und zeigt die wesentlichen Schritte zur strukturellen Neuausrichtung einer diversitätsgerechten Bildungspolitik auf. Dies begrüßen wir sehr.“ So war die Debatte auch im weiteren Verlauf im Großen und Ganzen von Übereinstimmungen geprägt. Uneinigkeit herrschte bei der Frage, ob Bremen mehr gebundene oder offene Ganztagsschulen braucht. Helmut Brandenburg von der AG Bildung des BRI plädierte für mehr gebundene Ganztagsschulen, die nicht mit der 7. Klasse enden. „Gerade Schüler mit Migrationshintergrund, die später in das Schulsystem einsteigen, haben noch Bedarf an pädagogischer Betreuung.“ Pädagogische Konzepte könne man an offenen Ganztagsschulen nur beschränkt einsetzen. Senatorin Quante-Brandt verwies darauf, dass nicht belegt sei, dass gebundene besser als offene Ganztagsschulen seien. Sie wolle da nicht werten. Für den vom BRI geforderten Ausbau der Inklusion gäbe es vor allem ein personelles Problem, so Quante-Brandt, bundesweit fehlten 30.000 Sonderpädagogen.

Rent a teachman
Einigkeit herrschte dagegen bei der Forderung, dass gezielt für mehr männliche Lehrkräfte an Grundschulen und insgesamt mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund geworben werden müsse. Die Senatorin verwies auf das Projekt „rent a teachman“ von Hochschulprofessor und BRI-Mitglied Christoph Fantini und trug dem BRI darüber hinaus an, gemeinsam mit der Bildungsbehörde eine Kampagne zu dem Thema zu entwickeln. Auch beim Bedarf zusätzlicher Sprachförderung an Schulen herrschte Einigkeit. „Wo Bedarf ist muss weiter gefördert werden,“ so Quante Brandt. „Die Schule ist der Schmelztiegel der Integration.“ Das bewährte Vorkurs-System, das der Regelbeschulung vorgeschaltet ist, müsse weiter ausgebaut werden, außerdem müsse am Übergang von den Vorkursen in die Regelklassen weiter gearbeitet werden.

Schule der Vielfalt
BRI-Mitglied Sabine Uzuner verwies darauf, dass die Vielfalt an Schulen ein wichtiges Element für Integration sei. Dies würde oft auch konzeptionell erkannt, aber in der Praxis nicht umgesetzt, bemängelte sie. „Die interkulturelle Öffnung liegt hinter uns. Heute brauchen wir eine Schule der Vielfalt.“ Dazu gehöre es etwa auch, das Lehrmaterial multikulturelle und multireligiös zu überarbeiten und sich über religiöse und moralische Werte auszutauschen. Senatorin verwies in diesem Zusammenhang auf den neuen Bildungsplan „Religion“, der gemeinsam mit Verbänden verhandelt und derzeit schon an Schulen umgesetzt würde. „Die wichtige Debatte über Wirkung von Religion gehört in die Schule. Bremen will einen Religionsunterricht, der nicht konfessionsgebunden ist“, so Quante-Brandt. Auch in der Kopftuchfrage, müsse einer neuen Realität Rechnung getragen werden. Galt bislang: Kein Kopftuch an Bremer Schulen, so wird man in Bremen nun zu einer neuen Praxis kommen, so Quante Brandt: „Kreuz, Kippa, Kopftuch müssen möglich sein.“

Mehr Quartiersbildungszentren
BRI-Mitglied Katharina Wolter wies generell auf die Wichtigkeit außerschulischer Lernerfahrungen und Bildungsangebote hin und speziell auf den hohen Bedarf an Elternbildung. Die Senatorin: „Hier muss noch viel getan werden. Da muss die “Weiterbildung” Verantwortung übernehmen und die Schulen darin unterstützen. Schule kann das nicht alleine leisten.“ Außerdem müssten Räume geschaffen werden, wo gemeinsam gearbeitet werden kann – sogenannte Quartiersbildungszentren. Ein wichtiger Schritt in die Richtung sei das „Interkulturelle Kompetenzzentrum“, so Quante Brandt, das derzeit mit einer Stelle besetzt ist, die sich vier Lehrkräfte teilen.

Das Fazit der Sitzung zog Senatorin Quante-Brandt: „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, erklärte sie und fügte hinzu: „Aber wir sind auf einem guten Weg.“ Im Herbst soll es in einem weiteren Gespräch des BRI mit dem Arbeitssenator um die Situation auf dem Arbeitsmarkt gehen.

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