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Fr, 22. Mai 2015

Wo ist meine Heimat?

Lions Club Cosmopolitan und BRI luden zum Diskussionsabend

Was ist „Heimat“ – ein Ort oder etwas Fließendes, was sich immer wieder neu bildet? Was bedeutet „Heimat“ bei aller Mobilität heutzutage? Der vor knapp einem Jahr neu gegründete Lions Club Bremen Cosmopolitan und der Bremer Rat für Integeration (BRI) luden am Dienstag, 12. Mai, zu einem Diskussionsabend zum Thema „Wo ist meine Heimat?“ in den EuropaPunkt im Haus der Bremer Bürgerschaft. Auf dem Podium: Dr. Simone Eick, Leiterin des Deutschen Auswandererhauses Bremerhaven und Ken Yeboah Agyemang, Masterstudent des Studiengangs Business Management der Hochschule Bremen.

Ohne Titel

Menschen sind Heimat

„Für mich ist Heimat der Ort, an dem meine Freunde und meine Familie leben“, sagt Ken Yeboah Agyemang. „Das ist momentan hier in Deutschland.“ Er kam vor 20 Jahren aus Ghana zunächst nach Düsseldorf, dann nach Bremen. „Heute verbindet mich nicht mehr so viel mit meinem Herkunftsland. Ich war vor kurzem das erste Mal nach 20 Jahren wieder dort. Der für mich wichtigste Mensch in Ghana, meine Oma, ist inzwischen gestorben.“

Der Begriff, typisch Deutsch?

„Heimat“ – diesen Begriff gebe es in seiner Muttersprache nicht, sagt er. Eher so etwas wie „Zuhause“. In vielen anderen Sprachen fehlt ein Äquivalent. Ist „Heimat“ also ein typisch Deutscher Begriff? „Das schwermütige und staatstragende am Begriff ‚Heimat’ ist schon typisch deutsch“, sagt die Leiterin des Auswandererhauses. Sie benutze den Begriff eigentlich auch nicht. „Meine Großeltern kamen aus vier verschiedenen Ländern nach Deutschland“, erzählt Simone Eick. „Wenn ich an die Ort fahre, wo sie herkommen, fallen mir wieder ihre Geschichten ein, die sie mir als Kind erzählt haben und ich fühle mich dort sehr wohl, vielleicht sogar ein bisschen heimisch. Es ist ein familiäres ‚Heimatgefühl’.“

Deutsche verlassen die Heimat

An ihrem Arbeitsplatz, dem Bremerhavener Auswandererhaus geht es um Deutsche, die von hier aus in die USA ausgewandert sind, also ihre Heimat verlassen haben „Im 19. und 20. Jahrhundert haben in Deutschland viele davon gelebt, was die ‚reiche Tante’ oder ‚der reiche Onkel’ aus Amerika geschickt hat“, so Eick. „Viele sind rüber gegangen, um Karriere zu machen. Hier waren sie Knecht, dort Büroangestellter, hier Dienstmädchen dort Sekretärin.“ Die alten Briefe, die das Museum hütet, muten oft sehr kaufmännisch an. Es ging darum zu zeigen, dass man es geschafft hatte. Und natürlich lagen Dollarscheine dabei.

Podium
(V.l.): Dr. Simone Eick (Leiterin Auswandererhaus Brhv.), Libuse Cerna (Moderatorin) und Ken Yeboah Agyemang (Student)

Back to the roots

Heute suchen viele Besucher in der Datenbank des Auswandererhauses nach ihren einst ausgewanderten Angehörigen. „Da fließen auch mal Tränen der Rührung, wenn sie die Namen gefunden haben“, weiß Simone Eick. „Manche schreiben sie an und treffen sich mit ihnen.“ Es ist ein menschliches Bedürfnis, nach den eigenen Wurzeln zu forschen. Es ist die Suche nach einem Halt. Eick: „Wenn ich weiß, was Generationen vor mir gemacht haben, fühle ich mich größer, weil ich besser verwurzelt bin.“ Ein Phänomen sei auch, dass viele Eingewanderte erst in der Fremde ein „Heimatgefühl“ ausbildeten. So wurden viele Auswanderer in den 50er Jahren, die sich immer als Niedersachsen, Hessen oder Pfälzer fühlten in den USA zu „Deutschen“. „Die Ansprache durch die Mehrheitsgesellschaft bewirkte eine Gewinnung von Identität“, erklärt Eick. „Plötzlich trugen sie das Attribut ‚Deutscher’ und entwickelten in den USA einen Patriotismus, den sie hier nicht entwickelt hätten.“

Ausstellung bis 12. Juni

Was also ist Heimat? Die einen sehnen sich ein Leben lang nach ihr, die anderen wissen genau, wo sie ist. Die einen sagen, sie ist ein Gefühl, die anderen sagen, sie ist ein Geruch oder ein bestimmter Blick. Interessierte können sich noch bis zum 12. Juni 2015 die Fotoausstellung „mit anderen augen – steig mal aus“ der Künstlerin beate maria woerz in der Schaufenster-Galerie des Bremer Rates für Integration (Nordseite des Haus der bremischen Bürgerschaft) ansehen. Hier haben Schüler der Privatschule „Mentor“ aus Gröpelingen unter ihrer Anleitung fotografiert, was sie mit „Heimat“ verbinden.

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