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Mo, 14. März 2016

Frauen im Fokus

Diskussionsveranstaltung „Im Schatten der Flucht“ nimmt die Situation geflüchteter Frauen in den Blick

Unter dem Titel „Im Schatten der Flucht“ hatte der Bremer Rat für Integration im Rahmen des Internationalen Frauentags im März mit belladonna e.V., dem Bremer Frauenauschuss und dem ver.di Ortsfrauenrat zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen, die in den Fokus rückte, was in der Flüchtlingsdebatte der vergangenen Monate oft unterging: die Situation der geflüchteten Frauen. Die Diskussion im übervoll besetzten „EuropaPunktBremen“ im Erdgeschoss der Bürgerschaft sorgte durch das divers besetzte Podium für viele Einblicke und Perspektiven.

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(V.l.): Bei der Veranstaltung im Rahmen des Internationalen Frauentags im EuropaPunkt diskutierten Marjan Amiri, Libuse Cerna, Simone Schmollack, Gudrun Fischer, Arso Gürtekin

Frauen, so stellte Journalistin Simone Schmollack zu Beginn heraus, sind anders als Männer zusätzlich mit anderen Formen und Androhungen der Gewalt konfrontiert – oftmals sowohl in ihrer Heimat als auch auf der Flucht. Auf der Flucht erlebten viele Frauen sexualisierte Gewalt. Auch aus Flüchtlingsunterkünften sind inzwischen Fälle bekannt. Wie wichtig es ist, dem Beachtung zu schenken, betonte auch Arso Gürtekin. Die Leiterin des Übergangswohnheims Klinikum Mitte achtet bei der Belegung der Zimmer auf „die Balance zwischen Familien und Singles“ und beschreibt ihre Rolle so: „Ich bin da, um diesen Menschen zu helfen.“ Durch Angebote werde zudem versucht, den Menschen in dieser Ausnahmesituation Beschäftigung zu bieten, auch Deutsch zu lernen. Wichtig seien dabei auch Angebote nur für Frauen. Dabei sei Geduld gefragt, denn: „Es braucht Zeit, sich zu öffnen.“
Nicht nur das, betonte Marjan Amiri, die mit 15 allein aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet war und heute in Bremen lebt: Man brauche die Perspektive, bleiben zu dürfen. Solange man dies nicht wisse, machten Sprach- und Begegnungsangebote oftmals wenig Sinn. Die junge Frau schilderte ihre Fluchterlebnisse eindrucksvoll, und sagt von sich selbst, Glück gehabt zu haben. Zweieinhalb Monate dauerte ihre Flucht, auf der sie nur die nötigsten Kontakte zu anderen, ihr fremden Menschen aufnahm. „Viele Leute denken, es ist eine Reise. Aber es ist nicht so: Alles, was man tut, ist illegal.“ Der ständige Begleiter: Angst. Und die Notwendigkeit, sich fremden Menschen, Schleppern anzuvertrauen. Auch in Deutschland war ihr Status lange ungewiss. Inzwischen spricht sie gut Deutsch und steht kurz vor dem Abitur.
Der Verein Refugio kümmert sich unterdessen um traumatisierte Menschen, deren Ängste und Panikattacken nach der Flucht nicht aufhören. Bei Frauen sei es oft mit Scham besetzt, über das Erlebte zu sprechen, ist dort die Erfahrung. Wichtig sei, Traumata zu bearbeiten, betonte Refugio-Helferin Gudrun Fischer. Geschieht dies nicht, kann ein Krankheitsbild entstehen. Deshalb sei es wichtig zu schauen: „Was passiert nach der Traumatisierung?“

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