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Mi, 16. November 2016

Wider Populisten und Vereinfacher

Drei Autorinnen zur globale°-Abschlussveranstaltung in der Bremischen Bürgerschaft

Drei Wochen „globale°– Festival für grenzüberschreitende Literatur“ gingen am Montag, 14. November, zu Ende. Zum Abschluss luden die Festivalleiterinnen Prof. Elisabeth Arend und Libuse Cerna um 19 Uhr in den Festsaal der Bürgerschaft und sprachen mit den Autorinnen Kat Kaufmann (35), Resha Khayat (38) und Ilma Rakusa (70) über den „Zustand der Welt im Spiegel ihrer Literatur“.

Lassen sich der politische und der poetische Mensch trennen? „Vom Universum bin ich eigentlich geschaffen, was anderes zu schreiben“, so die deutsch-russische Schriftstellerin, Fotografin und Komponistin Kat Kaufmann. Sie sei nicht originär eine politische Autorin. Doch sehe sie die Notwendigkeit politisch zu schreiben. Gesellschaftliche Realitäten im Umfeld könnten gerade Künstler nicht ignorieren.

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(V.l.): Dr. Elisabeth Arend, Resha Khayat, Kat Kaufmann, Ilma Rakusa und Libuse Cerna

Die in der Schweiz lebende Ilma Rakusa sieht es ähnlich: „Wo fängt Politik an, wo hört sie auf?“, fragt sie. „Es beginnt schon damit, welche Orange ich kaufe“, gibt Kat Kaufmann zu bedenken. „Wir sind alle politisch, ob wir wollen oder nicht. Ich versuche meinen Soll zu leisten: Zwischentöne zu zeigen, die in unserer digitalen Welt mit Like und Dislike keinen Platz haben.“ Wir lebten in einem ‚Zeitmangel-Zeitalter’, so die Autorin, deshalb informiere sich keiner mehr umfassend – etwa über Phänomene wie Trump. Man konsumiere, was man vorgesetzt bekomme. Doch sei es wichtig, sich ein umfassendes Bild zu machen. „Nichts ist schlimmer, als es sich bequem zu machen, stehen zu bleiben“, ist auch die 38-jährige Übersetzerin und Schriftstellerin Resha Kayat überzeugt, die viel über das Leben zwischen zwei Welten – Saudi Arabien und Deutschland – schreibt. „Alles, was man erlebt, formt die Identität.“ Und erleben könne man auch und vor allem in Büchern. „Literatur war von jeher mein Tor zur Welt. Von Astrid Lindgren bis Nabukov. Daraus habe ich viel erfahren, was ich selbst von meinen Eltern nicht lernen konnte.“

Das geschriebene Wort vermag viel, sind sich die Autorinnen einig. „Die Sprache selbst ist die politische Botschaft“, so Rakusa. „Hier liegt die Kraft der Subversion.“ Nicht umsonst sei das Wort in Diktaturen derart gefürchtet. Die Wahrnehmung auf die Welt zu schärfen und dabei die Komplexität aufzuzeigen sei die Aufgabe des Schriftstellers – gegen die Populisten und Vereinfacher.

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