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Di, 10. Mai 2016

Willkommenskultur in Europa

Der Lions Club Cosmopolitan und der Bremer Rat für Integration luden am 10. Mai zu ihrer gemeinsamen Reihe in den EuropaPunkt Bremen ein. Das Thema war diesmal „Willkommenskultur“. Moderatorin Libuse Cerna stellte einleitend fest, dass, bevor der Begriff „Willkommenskultur“ überhaupt tatsächlich begriffen wurde, die Kanzlerin das damit Gemeinte schon wieder abgeschafft habe. „Inzwischen spricht man von der ‚Falle der Willkommenskultur‘ oder vom ‚Schatten der Willkommenskultur‘ oder gar vom Irrtum“, so Cerna. Grund genug für die Gastgeber, Menschen einzuladen, die die “deutsche Willkommenskultur” am eigenen Leib erfahren haben.

Podium K
(V.l.): Washington de Oliveira, Dr. Yamei Leng, Libuse Cerna und Anna Igho Priester

Bei der Germanistin und Leiterin der Firma China Dialog, Dr. Yamei Leng, ist das zwar schon etwas länger her, aber sie erinnere sich noch gut daran, sehr freundlich aufgenommen worden zu sein. Nur mit der direkten Kommunikation der Deutschen habe sie anfangs Probleme gehabt. „An der Universität verstand ich anfangs nicht, warum sich die Studenten mit dem Professor stritten. Bis man mir die deutsche Diskussionskultur erklärte.“
Auch der brasilianische Musiker und Chorleiter Washington de Oliveira konnte anfangs nur schlecht mit der direkten, für sein Empfinden beinahe unhöflichen Art der Kommunikation, umgehen. „In Brasilien sagen wir nicht: Das war schlecht. Wir finden blumigere Umschreibungen.“ Doch mehr Probleme bereite ihm die Unfähigkeit vieler Deutscher zu improvisieren und die fehlende Spontanität. „Mich irritiert es nach vier Jahren immer noch, wenn ich einen Freund zum Kaffee einladen will und der guckt erstmal in seinen Kalender und sagt: In zwei Wochen hätte ich Zeit.“
Die Nigerianierin Anna Igho Priester, die heute als Referentin bei der Senatorin für Kinder und Bildung im Bereich Berufsbildende Schulen tätig ist, kam vor Jahren zunächst in ein kleines Norddeutsches Dorf. „Ich bemerkte den guten Willen, als man mich in die Häkelgruppe einlud und mir zeigen wollte, wie man Lebensmittel einkocht“, erinnert sie sich schmunzelnd. „Dafür, dass alle so nett waren, bin ich total dankbar.“ An Negatives erinnert sie sich kaum: „Nur einmal bemerkte eine Frau, als ich ihr erzählte, dass ich eine Ausbildung zur Krankenschwester machte, dass das nicht sein könne, ich meinte bestimmt Altenpflegerin. Sie traute es mir einfach nicht zu, aufgrund meiner Sprachkenntnisse, meiner Herkunft… oder sonstwas.“
Nach der Impuls gebenden Podiumsrunde wurde das traditionell „deutsche Abendessen“ an Stehtischen eingenommen, während sich die Gäste miteinander über das, was Willkommenskultur eigentlich ausmacht, austauschten. Fazit: Respekt gepaart mit Neugierde und Achtsamkeit gehören dazu, von beiden Seiten. Das ermögliche eine Begegnung auf Augenhöhe. Kein einseitiges Geben oder Nehmen sei gewollt, sondern ein Austausch. In diesem Sinne ist jeder einzelne gefragt – und die Bremer auf einem guten Weg.

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