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Fr, 31. März 2017

"Am Anfang war das Wort …"

“… und das Wort ward Fleisch” in Feridun Zaimoglus Luther-Roman „Evangelio“

Im Luther-Jahr, von dem er, als er mit seinem Roman „Evangelio“ begann, nichts geahnt haben will – „Ich habe Zeugen“, beteuert der Autor – liest Feridun Zaimoglu am 30. April auf Einladung des Globale°-Teams im Foyer des kleinen Hauses am Bremer Theater.

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Sein Roman über Luther sei nicht religiös inspiriert, macht der gebürtige Türke, der sich gern als „Moselm mit Kinderglauben“ bezeichnet klar. Vielmehr habe er sich schon früh für die Sprache Luthers begeistert. „Saftig“ nennt er sie. Zahlreiche seiner Bücher, seine Tischgespräche und die Bibel habe er immer wieder gelesen. „Ich habe mich gefragt, wie ich seine, diese versunkene Welt des 16. Jahrhunderts, am besten einfange.“ Deshalb ist der Roman „Evangelio“, der die Zeit des großen Reformators auf der Wartburg aus der Sicht eines ihm als Aufpasser zur Seite gestellten Landsknechts beschreibt, nicht in heutiger Sprache, sondern in einer dem Lutherdeutschen anverwandten abgefasst. Die von Zaimoglu ersonnene sehr dichte Kunstsprache ist kraftvoll, derb, sinnlich und lyrisch im Sinne eines Francois Villon.

Das “helle Gotteswort”

Der dem vogelfreien Luther vom sächsischen Kurfürsten als Leibwächter zur Seite gestellte Ich-Erzähler ist katholisch und anfänglich voller Zweifel gegenüber den neuen reformatorischen Ideen. Seine Perspektive ist es, die den Blick auf das Leben, das Streben und die Qualen des Reformators eröffnet.
Zwischen die Erzählpassagen streut Zaimoglu vereinzelt Briefe, die Luther schrieb, vorrangig an seinen Mitstreiter Melanchthon. Er hat ihn schließlich zur Übersetzung der Bibel ermuntert, die auf der Wartburg in nur zehn Wochen entstand. „Evangelio“ lotet die Untiefen der Anfechtungen und Versuchungen des Satans aus, denen Luther sich in dieser Zeit der Isolation ausgesetzt sah. „Christus war ihm eine Erlösung von der Umstellung des Satans“, so Zaimoglu. „Er wollte das helle Gotteswort verstehen. So gelang ihm die Übersetzung der alten Bibel ins Deutsche.“

“Evangelio“

Ebenso fieberhaft wie Luther einst, arbeitete auch Zaimolglu. Nach über einem Jahr intensiver Recherche, bringt er den Roman in nur dreieinhalb Monaten zu Papier. Berauscht von dessen Sprachgewalt, entsteht eine eigene Kunstsprache. Der Autor macht er es seinen Lesern damit nicht leicht. Es braucht eine gewisse Zeit, bis man sich an diese Sprache gewöhnt hat, die die eigentliche Hauptperson in diesem Roman ist. Die Gastgeberin und Moderatorin des Abends, Libuse Cerna, bringt es so auf den Punkt: „Zusammenfassend könnte man sagen: Am Anfang war das Wort!“ Und der Autor pariert: „Und das Wort ward Fleisch“. Wie wahr!

Kiepenheuer&Witsch
ISBN: 978-3-462-05010-3
352 Seiten, gebunden mit SU
22,00 Euro
9783462050103

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