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Di, 11. April 2017

Bremer Solidarität für Flüchtlinge in Griechenland

Besuche vor Ort in Flüchtlingscamps in Griechenland waren der Anlass für eine Gruppe griechisch-stämmiger oder -interessierter Bremerinnen und Bremer, die “Brücke der Solidarität Bremen-Lesbos” zu gründen, um konkrete Unterstützung zu leisten. Drei bremische Initiativen sowie der Bremer Rat für Integration möchten nun gemeinsam aktiv werden und haben sich zu einem Bündnis „Bremen hilft Griechenland“ zusammengeschlossen, um die Lage der notleidenden geflüchteten Menschen in Griechenland zu verbessern.

Tatsächlich ist die Situation geflüchteter Menschen in Griechenland nach wie vor besorgniserregend. Mehr als 13.900 Flüchtlinge sind derzeit auf den griechischen Inseln gestrandet (Stand April 2017). Viele leben in elenden Verhältnissen. Die Flüchtlingslager sind überfüllt. Auch auf dem griechischen Festland ist die Situation nicht viel besser. Dass Griechenland seit Jahren unter einer Wirtschaftskrise leidet und auch viele Griechinnen und Griechen selbst zum Teil am Rande der Existenz stehen, erschwert die Situation zusätzlich.

“Viele von uns haben mit eigenen Augen die absolut unzumutbaren Bedingungen in den Camps in Griechenland gesehen. Mindestens fünf Schutzsuchende sind im vergangenen Winter ums Leben gekommen. Auch wenn wir nicht alle Missstände beseitigen können- tatenlos zusehen ist keine Alternative für uns. Deshalb haben wir uns entschieden, die Nicht-Regierungsorganisation ‘Lesvos Solidarity’ zu unterstützen. Wir hoffen auf große Solidarität aus Bremen”, erläutert Sofia Leonidakis, eine der Initiatorinnen der Initiative, das Ziel der Brücke der Solidarität Bremen-Lesbos.

Eine weitere Gruppe, die am Bündnis “Bremen hilft Griechenland” beteiligt ist, die Gruppe “Filía Deutsch-Griechische Freundschaft Bremen”. Filía unterstützt eine Nachbarschaftshilfe, einen Verein behinderter Jugendlicher und die solidarische Praxis in Thessaloniki. “Mehr als jede dritte Person der griechischen Bevölkerung hat aufgrund der Krise keinen Krankenversicherungsschutz mehr, da es dort, anders als hier, für Erwerbslose keine gesetzliche Versicherung gibt. Menschen mit Behandlungsbedarf, der über eine Notversorgung hinausgeht, werden vom Gesundheitssystem in Griechenland nicht versorgt. Hier setzt die Solidaritätspraxis an. Sie diagnostiziert und behandelt kostenlos alle Menschen, die durchs Netz fallen: Menschen mit chronischen Krankheiten, psychischen Erkrankungen oder mit schweren Krankheiten wie z.B. Krebs. Dafür sammeln wir Medikamente, die an vier Sammelstellen in Bremen abgegeben werden können und ermöglichen der Solidaritätsklinik durch Geldspenden, benötigte Medikamente vor Ort zu kaufen. Denn Gesundheit ist ein Menschenrecht”, so beschreibt Inge Danielzick von der Gruppe Filía ihre Aktivitäten.

Dritter Akteur ist der Bremer Verein Signal of Solidarity e.V., der sich während des Zuzugs flüchtender Menschen gegründet hat. Seit Ende 2015 fahren die Freiwilligen Hilfskonvois ins europäische Ausland und unterstützen vor Ort tätige Nichtregierungsorganisationen für mehrere Tage. Holzhütten bauen und Brennholz verteilen in Frankreich, Kleidung sortieren und ausgeben in Griechenland oder in der Transitzone zwischen Serbien und Ungarn helfen – die Aufgaben variieren je nach Situation. Auch in Bremen sind die Freiwilligen aktiv, fahren mit dem Transporter Umzüge oder helfen bei Familienzusammenführungen. Für die Aktion “Bremen hilft Griechenland”, einer Initiative mit dem Bremer Rat für Integration, macht sich Signal of Solidarity erneut auf den Weg nach Nordgriechenland, um die dort gestrandeten Menschen in den Camps zu unterstützen.

Auch Staatsrätin Ulrike Hiller, Bremens Bevollmächtigte beim Bund, für Europa und Entwicklungszusammenarbeit, unterstützt die Bremer Solidaritätsinitiative: “Es ist erschütternd, dass Flüchtlinge, die vor Krieg, Verfolgung und unsäglichem Elend in ihren Herkunftsländern zu uns nach Europa geflohen sind, jetzt in erbärmlichen Verhältnissen leben müssen und ohne zureichende medizinische Versorgung sind. Wir können vor dieser Situation nicht die Augen verschließen. Und wir können die Verantwortung auch nicht auf die griechischen Behörden abwälzen. Verantwortung für die Aufnahme geflüchteter Menschen haben wir alle in Europa. Daher freut es mich besonders, dass sich in Bremen Kräfte aus der Zivilgesellschaft zusammengetan haben, um den Betroffenen schnell und unbürokratisch zu helfen. Ich unterstütze den Aufruf und werde auch selbst bei Veranstaltungen in den Bremer Landesvertretungen in Berlin und Brüssel dafür werben und Spenden sammeln.”

Zur Information
‘Lesvos Solidarity’ betreibt auf der Insel Lesbos das Griechenland-weit einzige unabhängige Camp für die verletzlichsten Geflüchteten: Schwangere, Geflüchtete mit schweren und chronischen Krankheiten oder mit Behinderung. Sie bietet ihnen Unterkunft und Schutz, Verpflegung, soziale und psychologische Unterstützung sowie medizinische Versorgung. Letzteres steht auch für die Inselbewohnerinnen und -bewohner ohne Krankenversicherung zur Verfügung, denn Lesvos Solidarity möchte humanitäre Probleme der Schutzsuchenden und der einheimischen Bevölkerung nicht gegeneinander, sondern gemeinsam lösen. Für ihr Engagement wurde die Organisation bereits ausgezeichnet- trotzdem haben die Spenden und ehrenamtliche Unterstützung nachgelassen. Um ihre wichtige Arbeit fortsetzen zu können, benötigt sie dringend Unterstützung.

Spenden:
Bremen hilft Griechenland!
Spendenkonto : Verein Netzwerk seelische Gesundheit
IBAN: DE27 2905 0000 1052 4770 05
BIC: BRLADE22XXX
Bitte geben Sie das Stichwort der Initiative an, für die Sie spenden möchten.

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