Protokolle

Mi, 17.09.2008

Niederschrift über die Sitzung am 17.9.2008

Bremer Rat für Integration

Niederschrift über die Sitzung am 17.9.2008

Beginn: 17.00 Uhr, Sitzungsende: 19.30 Uhr

Teilnehmer/innen: siehe Anwesenheitsliste

Nicht anwesend (z.T. entschuldigt): Ibrahim Akbal, Akondoh Ali, Mehmet Altun, Irene Baumann, Mehmet Bazan, Hannelore Bitter-Wirtz, Maria Cardella, Dr. Suat Celebi, Libuse Cerna, Agnita Cromwell, Kamil Görgün, Angela Hesse, Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu, Eleonora Klaus, Nurcihan Koc, Alexander Leidner, Rihart Marinkov, Cornelius Neumann-Redlin, Anna-Maria Perrone, Mehmet Ünal

Tagesordnung

  1. Begrüßung und Festlegung der Tagesordnung
  2. Genehmigung der Niederschrift über die Sitzung am 25.6.2008 
  3. Berichte aus den Arbeitsgruppen des Bremer Rates
  4. Bericht über die Arbeit der Härtefallkommission
  5. Kultursensible Pflege; Umgang mit religiösen und kulturellen Bedürfnissen sterbender und verstorbener Menschen und ihrer Angehörigen; Weiterführung des Themas „Räume der Stille“
  6. Öffnung von Selbsthilfegruppen im Gesundheitswesen für Migranten (Gesundheitsamt, Netzwerk Selbsthilfe)
  7. Verschiedenes (Bremer Integrationswoche u.a.)

Zu TOP 1 Begrüßung und Festlegung der Tagesordnung

Herr Moroff begrüßt die Mitglieder und Gäste des Bremer Rates. Er begrüßt insbesondere Frau Dr. Knabe, die von ihrem Auslandsaufenthalt zurückgekehrt ist und nun dem Rat wieder zur Verfügung steht. Die Tagesordnung wird wie vorgelegt genehmigt.

Zu TOP 2 Genehmigung der Niederschrift über die Sitzung am 25.6.2008

Die Niederschrift über die Sitzung am 25.6.2008 wird einstimmig genehmigt.

Zu TOP 3 Berichte aus den Arbeitsgruppen des Bremer Rates

Frau Baumann hat sich wegen Krankheit entschuldigt, so dass der vorgesehene Gesamtbericht der AG 3 (Vorschulische und schulische Bildung) nicht gegeben werden kann. Frau Azad-Aliabadi erklärt sich bereit, den Teilbericht zur Vorschulischen Bildung zu geben. Sie trägt die Anregungen (Text wird mit dem Protokoll versandt) vor, die sich insbesondere mit den Themen Sprachförderung (Würdigung der Muttersprache), interkulturelle Kompetenz und interkulturelle Öffnung befassen. Nach kurzer Diskussion, an der sich Herr Kilinc, Frau Cakici, Frau Brunken, Frau Pajenkamp, Frau Dierks und Frau Dr. Knabe beteiligen, wird vereinbart, dass Herr Moroff den Text als Positionspapier an alle Träger der Kindertageseinrichtungen in Bremen versendet und um Rückmeldungen bittet. Auf der Grundlage der Rückmeldungen soll im Frühjahr 2009 über den weiteren Umgang mit dem Thema auf einer Fachtagung nachgedacht werden.

Zu TOP 4 Bericht über die Arbeit der Härtefallkommission

Die anwesenden sechs Mitglieder bzw. Vertreter der Bremer Härtefallkommission stellen sich vor. Pastor Hans-Jürgen Wiesenbach (stellvertretender Vorsitzender) stellt anschließend den Aufbau und die Tätigkeit der Härtefallkommission des Landes Bremen vor. Die Vorsitzende des Gremiums, Frau Wessel-Niepel, nennt einige Statistiken aus den Tätigkeitsberichten der Härtefallkommission. Diese Berichte sowie die gesetzlichen Grundlagen, die Verfahrensweise und die Kontaktpersonen finden sich zum Nachlesen auf der folgenden Internetseite des Senators für Inneres und Sport: http://www.inneres.bremen.de/sixcms/detail.php?gsid=bremen52.c.2462.de Die Mitglieder der Härtefallkommission berichten u.a. über den Umstand, dass bislang relativ wenig Fälle an die Kommission herangetragen wurden. Es wird vermutet, dass Ursachen hierfür die bestehende Bleiberechtsregelung, aber auch die mangelnde Bekanntheit in der Bevölkerung, insbesondere bei den von aufenthaltsbeendenden Maßnahmen Betroffenen, sein könnten. Die Kommission dankt daher dem Bremer Rat für die Gelegenheit sich in diesem Kreise vorstellen zu dürfen. Aus den Reihen der Anwesenden werden einige Vorschläge zur Steigerung der Bekanntheit der Härtefallkommission eingebracht (z.B. mehrsprachiger Internetauftritt, mehrsprachige Flyer, Informationen über die Beratungsdienste).

Zu TOP 5 Kultursensible Pflege; Umgang mit religiösen und kulturellen Bedürfnissen sterbender und verstorbener Menschen und ihrer Angehörigen; Weiterführung des Themas „Räume der Stille“

Frau Cengiz berichtet über einen Besuch mit Herrn Moroff beim Diako. Es soll ein freigewordener Raum gemeinsam mit der Klinikseelsorge gestaltet werden. Herr Moroff verweist auf eine Übersicht, aus der deutlich wird, dass 5 Krankenhäuser noch nicht reagiert haben; in anderen Krankenhäusern gibt es entweder bereits Räume oder es liegen Planungen vor. Zwei Kliniken haben ihren Raum ausdrücklich auch für den Bedarf muslimischer Patienten eingerichtet. Herr Moroff wird mit Frau Cengiz weiter nachhaken. Herr Heintze berichtet, dass es in verschiedenen Krankenhäusern ein Interesse an einer Pflegekräftefortbildung zum Thema „Umgang mit religiösen und kulturellen Bedürfnissen sterbender und verstorbener Menschen und ihrer Angehörigen“ gibt. Der Rat ist der Auffassung, dass das Thema im ersten Quartal 2009 auf einem Fachtag behandelt werden sollte.

Zu TOP 6. Öffnung von Selbsthilfegruppen im Gesundheitswesen für Migranten (Gesundheitsamt, Netzwerk Selbsthilfe)

Herr Stulken berichtet, dass sich Gesundheitsamt und Netzwerk Selbsthilfe als Unterstützerstellen verstehen, damit sich mehr Menschen mit Migrationshintergrund an Selbsthilfeaktivitäten beteiligen können. Beteiligungshemmnisse werden darin gesehen, dass Sprachprobleme bestehen, dass Informationen die Migrantinnen und Migranten oft nicht erreichten und dass Selbsthilfe in den Herkunftsländern der Zugewanderten oft nicht bekannt und geübt war. Krankheiten wie Rheuma, Diabetes, Essstörungen oder Alkohol spielten aber auch bei den Migranten eine Rolle. Die Selbsthilfeorganisationen sollen dafür sensibilisiert werden, dass sie im Rahmen interkultureller Öffnung z.B. auch Angebote auch in den Herkunftssprachen der Migrantinnen und Migranten anbieten. Frau Bütow sieht einen großen Bedarf bei den Zuwanderern, z.B. auch für türkische Eltern behinderter Kinder. Es sei ein Netzwerk-Antrag auf EU-Mittel gestellt worden, der die Unterstützung von Selbsthilfegruppen für Migrantinnen und Migranten vorsehe. Das Netzwerk hilft dann bei der Bildung und während der Anlaufphase solcher Gruppen.

Zu TOP 7. Verschiedenes

Herr Heintze berichtet über den neuesten Stand der Vorbereitungen der Bremer Integrationswoche. Neben den vielen dezentralen Veranstaltungen wird es eine Reihe von zentralen Veranstaltungen geben, wie z.B. die Eröffnungsveranstaltung am 2.11. in der Oberen Rathaushalle, die Unterzeichnung der Charta der Vielfalt sowie eine Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Labskaus und Integration“ am 3.11, eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Identität und Diskriminierung“ sowie eine Kabarett-Veranstaltung „Viva Polonia“ am 5.11., eine Fachtagung „Integrationslotsen – wirksame Modelle zur Integration!?“ sowie ein Podiumsgespräch „Weltgewissen oder Ärgernis? Über die Macht der Religionen“ am 6.11. sowie die Verleihung des Bremer Förderpreises für Integration am 9.11.2008. Eine Programmbroschüre wir spätestens Ende Oktober herauskommen.

Frau Cengiz berichtet kurz aus der 2. Sitzung des Bremer Rundfunkrates. Sie beabsichtigt, zukünftig mit ihrem Vertreter an den Sitzungen teilzunehmen.

Bremen, den 20.10.2008

Für das Protokoll

Heintze

Anlage Bremer Rat für Integration, AG 3 - Vorschulische und schulische Bildung, Thematisierung, Anregungen, Vorschläge und notwendige Forderungen einer Umsetzung im Bereich Vorschulische Bildung

Bremer Rat für Integration AG 3 - Vorschulische und schulische Bildung

Thematisierung, Anregungen, Vorschläge und notwendige Forderungen einer Umsetzung im Bereich Vorschulische Bildung

Schwerpunkt Sprachförderung

„ Muttersprache bedeutet für die Kinder Vertrautheit, Sicherheit und das ist die Grundlage für die Entwicklung eines positiven Selbstbildes und Selbstwertgefühls. Muttersprache stellt damit so etwas wie die Wurzeln der Persönlichkeit des Kindes dar. Diese entwickeln sich, wenn die Kinder die Voraussetzungen und Chancen haben ihre Muttersprache zu erwerben. Sprache hat eine zentrale Bedeutung. Durch sie entdecken Kinder ihre Welt. Um eine zweite und fremde Sprache zu lernen benötigt es Gleichwürdigkeit. „

Familiäre Voraussetzungen: - Bildungsmöglichkeiten für die Familien schaffen - Verbesserung der finanziellen Situation bzw. Arbeitsmöglichkeiten

Kontakt mit gleichaltrigen Kindern in Kindertageseinrichtungen: - frühere Beteiligung in Spielkreisen oder Kleinkindgruppen - ausreichende Betreuungsangebote schaffen - Unabhängig von der Arbeitssituation der Familien Finanzierung und Förderung der Betreuungsplätze, insbesondere für Kinder unter 3 Jahren

Erwerb und Bedeutung der Muttersprache: - Muttersprache als Bereicherung und Chance erkennen
- gesellschaftliche Akzeptanz und Wertschätzung der Muttersprache
- Muttersprache als Voraussetzung der Identitätsentwicklung und des Zweitspracherwerbs sehen - Förderung der Mehrsprachigkeit in Kindertageseinrichtungen

Umgang mit Mehrsprachigkeit in Kindertageseinrichtungen:
- Offenheit für die Sprachen der Kinder und deren Familienkulturen - kein Verbot die eigene Muttersprache zu sprechen, Kinder untereinander, und ErzieherInnen und Kinder miteinander

Elternarbeit: - Initiierung von Kontakt-, Informations- und Austauschtreffen, und auch die Bereitstellung von Informations- und Bildungsmaterialien für eine wirksame Erwachsenenbildungsarbeit

- Eltern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen als
’ExpertInnen’ sehen und für die Gremienarbeit gewinnen und mit einbinden
und so eine Kultur übergreifende, Sprachen verbindende und interreligiöse
Erziehung gemeinsam durch PädagogInnen und Eltern erreichen

- der Dialog und die Zusammenarbeit mit den Eltern ist als Chance für ein
’Miteinander - Wachsen’ zu sehen, und nicht als Last zu empfinden, die durch
Missverständnisse, unausgesprochene Erwartungshaltungen und Unsicherheit
geprägt werden.

Schwerpunkt Interkulturelle Kompetenz

Schwerpunkt Interkulturelle Öffnung durch Einstellung qualifizierter MitarbeiterInnen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen

Die Arbeitsgruppe 3 - Bereich Vorschulische Bildung - begrüßt ausdrücklich die Zielsetzung der neuen Integrationskonzeption für das Land Bremen mit dem Schwerpunkt ‘Interkulturelle Öffnung’ der Bremischen Verwaltung.

Im Lande Bremen gibt es viele kompetente, qualifizierte und engagierte Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, welche sicherlich für die unterschiedlichen Arbeitsbereiche geeignet sind. Ein wichtiger Aspekt der jedoch zu beachten ist, dass einen kulturellen Hintergrund zu haben nicht gleich zu setzen ist mit der Fähigkeit Interkulturell zu arbeiten! Zu Betonen ist nochmals die Notwendigkeit und Dringlichkeit Interkultureller Kompetenz, die durch Interkulturelle Bildung zu erreichen ist.

Wenn wir erreichen möchten, dass die nächsten Generationen von Kindern als spätere Erwachsene offen und tolerant sowie auf der Basis demokratischen Denkens miteinander leben, müssen wir sie, als kompetente und interkulturelle PädagogInnen bis dahin begleiten. Aufgrund dessen bildet die Ausarbeitung von interkulturellen Konzepten in den einzelnen Häusern das Fundament interkulturellen Arbeitens.

Zahra Azad – Aliabadi AG 3 – Bereich Vorschulische Bildung, 23.06.2008

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