„Heimspiel“ in Blumenthal

Kunst- und Kulturfest zur Förderung des Miteinanders im Stadtteil

Blumenthal – ein Randbezirk im äußersten Nordwesten Bremens. Hier leben etwa ein Drittel Zugewanderte, vor allem Roma, Türken, Araber und Serben. Die wirtschaftliche und soziale Lage ist prekär, in den Straßen gähnen leere Schaufenster, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Kriminalität auch.
Kulturmanager Christian Psioda, der seit zwei Jahren als Projektleiter bei Quartier-Bremen arbeitet, möchte deshalb alle Blumenthaler dazu ermuntern, sich einmal im öffentlichen Raum zu begegnen und diesen gemeinsam zu gestalten – und darüber auch ihr Miteinander im Stadtteil. Dafür hat er als Initialzündung ein Kunst- und Kulturfest auf die Beine gestellt, unterstützt vom Quartiermanagement, dem Ortsamt, den Schulzentren, dem Bremer Rat für Integration (BRI), Radio Weser TV und einigen ortsansässigen Unternehmen, Vereinen und Initiativen. Der Titel: „Heimspiel“. Die Idee: Die leer stehenden Geschäfte rund um den Marktplatz, samt Ex-Nordenholz-Kaufhaus zu bespielen. Zwei Tage lang, vom 27. bis 28. Juni, waren sie Ort für Austausch und Begegnung.

Blumenthaler Blumenthaler “Heimspiel” mit vielen Aktionen rund um den Marktplatz. Fotos: Oliver Rusanov

Auf dem Marktplatz entstanden mit Pflasterkreide Gemälde, es wurden erzählerische und fotografische Streifzüge durch Blumenthals Geschichte unternommen, eine Fotodokumentation erzählte vom „Ankommen“ jugendlicher Flüchtlinge, Schülerinnen und Schüler der Oberschule an der „Egge“ führten im ehemaligen Modehaus Nordenholz das Stück „Verschwunden“ von Charles Way auf. Eine Geschichte über Vernachlässigung, Gier und Überforderung. Darüber hinaus gab es Workshops, Mitmachaktionen und jede Menge Musik.
Ein Highlight war sicherlich der zweitägige Radio-Workshop für Jugendliche aus dem Quartier, den der Verein „Roma Trial“ anbot. „Radio Corel“ nennt sich das Format, das ursprünglich aus Berlin kommt und so viel wie „geklautes“ Radio heißt. „Wir ‚corelen‘ mit unserem Mikrofon auf den Straßen Berlins, in verschiedene Ecken Deutschlands und in 80 Tagen um ‚Romanistan‘. Wir reden mit, nicht über Roma. Wir möchten wissen, was es bedeutet, ‚Zigeuner‘ zu sein“ – so beginnt die Radiosendung, die im Rahmen des Blumenthaler Workshops entstand. „Geklaut“ wurden dabei O-Töne von Besuchern des Kunst- und Kulturfestes. Die Kinder und Jugendlichen lernten unter Anleitung zweier Radiojournalisten, Besucher über ihren Stadtteil und ihr Leben in Deutschland zu befragen und Moderationselemente aufzunehmen.
Als Krönung schrieben sie, mit Unterstützung des gebürtigen Bremer Musikers Dragan Cordes aka Gagi, einen eigenen Rap-Song „Pinguin”. In dem Stück setzen sie sich mit ihrer Identität als Roma, mit den Vorurteilen der Mehrheitsgesellschaft sowie der Fluchterfahrung ihrer Familien auseinander.
Am letzten Tag des „Heimspiel“-Festes bekamen die Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Workshopergebnisse von 16 bis 17 Uhr live auf Radio Weser TV zu präsentieren.

Radiosendung vom 28.6.2015 auf Radio Weser TV
http://radio-corel.de/heimspiel-in-bremen-blumenthal-2/

Video vom Fest
http://youtu.be/PafkO3GuDDs


Pressespiegel

Weserreport Vorbericht-21-06-2015
Die-Norddeutsche-22-06-2015
Das-BLV 24-06-2015
Die-Norddeutsche-26-06-2015
Weserkurier 29-06-2015

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