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„Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität: Kritische Perspektiven“

ADA-Veranstaltungsreihe zu Mehrfachdiskriminierung

Am 4. Mai 2017 lädt ADA/Antidiskriminierung in der Arbeitswelt zu einer Buchvorstellung mit anschließender Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu Mehrfachdiskriminierung. Gast ist diesmal Dr. Zülfukar Cetin, Soziologe und aktiv unter anderem im Türkischen Bund Berlin-Brandenburg. Er eröffnet die Veranstaltung mit einem Vortrag, dessen Schwerpunkt die Auseinandersetzung mit der deutschen Dominanzkultur ist, die sich mit rassistisch aufgeladenen Diskussionen über Sexismus, Homophobie und Antisemitismus ausdrückt und durchsetzt.

Daran schließt die Vorstellung seines aktuellen Buches „Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität: Kritische Perspektiven“ an, welches er zusammen mit Hans-Jürgen Voß veröffentlicht hat. Die Autoren hinterfragen darin „Identität“ und „Sichtbarkeit“ als Schlüsselbegriffe des politischen Kampfes von Schwulen um Anerkennung und Respekt. Wie macht die Sichtbarkeit der einen die der „Anderen“ unsichtbar? Wie beteiligen sich Schwule an staatlichem Rassismus und Nationalismus – also „Homonationalismus“? Was hat schwule Emanzipation mit Marginalisierung und Unterdrückung anderer zu tun? Diesen nicht nur in LGBTI-Kreisen intensiv bzw. kontrovers diskutierten Leitfragen des Buches möchten wir in der Veranstaltung nachgehen.

Hintergrundinformationen zur ADA-Veranstaltungsreihe zu Mehrfachdiskriminierung

Identitäten sind unweigerlich mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen verbunden. Durch die vermutete oder tatsächliche Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen (Geschlecht, sexuelle Orientierung, Herkunft etc.) sind Menschen entweder mit Privilegien ausgestattet oder Diskriminierungen ausgesetzt. Dabei können sich gesellschaftliche Machtverhältnisse nicht nur in der Arbeitswelt auf ganz verschiedene Weise ausdrücken – ob durch Gesetzgebungen oder Rechtssprechung (wie im Falle des Kopftuchs), betriebliche Personalpolitik, verbale Belästigungen oder sexualisierte Gewalt unter Kolleg_innen.

Hinzu kommt, dass Betroffene von Diskriminierung häufig nicht nur wegen eines einzelnen Merkmals benachteiligt werden – beispielsweise wegen ihrer sexuellen Orientierung. Vielmehr haben Schwule, Lesben oder Transpersonen auch eine Herkunft oder Hautfarbe, sie sind jung oder alt, sie leben in einem Körper mit oder ohne Beeinträchtigung, manche gehören auch einer Religionsgemeinschaft an. Findet in diesem Zusammenhang eine Diskriminierung aus mehreren Gründen statt, spricht man daher von Mehrfachdiskriminierung.

Um gesellschaftliche Veränderungen zu erreichen, kann es immer wieder sinnvoll sein, bestimmte Zugehörigkeiten hervorzuheben – vor allem, wenn es um konkrete Forderungen an die Politik geht. Dabei sollte jedoch stets darauf geachtet werden, dass die einzelnen Diskriminierungserfahrungen nicht gegeneinander ausgespielt oder hierarchisiert werden. Und dies gilt auch für Fachberatungsstellen. Denn es kommt immer wieder vor, dass Betroffene nur mit jenem Teil ihrer Erfahrungen wahr- bzw. ernstgenommen werden, der mit dem Schwerpunkt der jeweiligen Beratungsstelle zu tun hat. Kurzum: Mit der Veranstaltungsreihe zum Thema Mehrfachdiskriminierung wollen wir die Frage stellen, was Mehrfachdiskriminierung überhaupt ist, welche Rolle sie für Betroffene spielt und wie ihr angemessen begegnet werden kann – sowohl auf der Ebene der Betroffenen als auch in aktivistischer oder professioneller Hinsicht.

Buchvorstellung mit anschließendem Gespräch
Donnerstag, 04. Mai 2017, 18.30 Uhr, Krimibibliothek in der Stadtbücherei (Zentralbibliothek, Am Wall 201, 28195 Bremen, 2.OG)

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