Termine

Fachtag „Antimuslimischer Rassismus“

Alte Debatten – neue Zuspitzungen

ADA – Antidiskriminierung in der Arbeitswelt lädt am 16.11.2016 in der Zeit von 9.30–17.30 Uhr ins DGB-Haus zum Fachtag „Antimuslimischer Rassismus“. Mit dabei: Ozan Keskinkilic (Politikwissenschaftler), Mely Kiyak (Journalistin), Ebru Ta?demir (Neue Deutsche Medienmacher), Simone Rafael (no-nazis.net), Eberhard Schultz (Jurist), Abdurrahim Camillo Dottermusch (Bildungsreferent, Demokratiepädagoge), Ismahan Wayah (Geschichts- und Literaturwissenschaftlerin), Merve Kayikci (Internet-Bloggerin, Gründerin von primamuslima) und viele mehr.

Ort: DGB-Haus Bremen, Bahnhofsvorplatz 22–28
Hinweis: Der Fachtag wird als Bildungsurlaub anerkannt

Vorläufiges Fachtagsprogramm:

10.00 – 11.45h Inputs zum Antimuslimischen Rassismus aus unterschiedlichen Perspektiven, mit anschließender Diskussion
11.45 – 12.45h Mittagspause, inkl. Catering
12.45 – 14.45h Workshops
WS 1 Antimuslimischer Rassismus und das Justizsystem
WS 2 Antimuslimischer Rassismus im öffentlichen Dienst
WS 3 Antimuslimischer Rassismus in den Medien
WS 4 Antimuslimischer Rassismus auf meiner Arbeit? – Kritische Praxisreflexion eigener Arbeitsfelder und Empowerment für Betroffene (mit der Option, in getrennten Räumen, d.h. in Räumen für Menschen mit und für Menschen ohne Rassismuserfahrungen, zu arbeiten)
14.45 – 15.15h Kaffeepause
15.30 – 17.15h Podiumsdiskussion „Hate Speech in den Sozialen Medien“
17.30 Ende des Fachtags

Künstlerisches und Literarisches Begleit- und Rahmenprogramm

“Der Islam passt nicht zu uns“: Darüber scheinen sich – heute wie gestern – breite Teile der nicht-muslimischen Bevölkerung einig zu sein. Antimuslimischer Rassismus zählt zum einen als erfolgsver-sprechendes Standardrepertoire rechter und rechtspopulistischer Zusammenschlüsse: Während in Deutschland die AfD in einen Landtag nach dem nächsten einzieht und in Dresden die Pegida wöchentlich gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes demonstriert, regieren in Polen und Ungarn Parteien, die Muslimfeindlichkeit groß in ihr offizielles Programm schreiben, gewinnt in Frankreich die Front National, in Österreich die FPÖ und so fort immer weiter an Popularität. Zum anderen gilt Antimuslimischer Rassismus als Bindeglied zwischen Akteur_innen unterschiedlichster gesellschaftlicher und politischer Felder, besonders wenn es um die Einwanderungsdebatte geht. So stellte sich in einer repräsentativen Umfrage der Leipziger Mitte Studie von 2016 heraus, dass 41% der Befragten Muslim_innen die Einwanderung in Deutschland untersagen würden. Antimuslimischer Rassismus ist heute mehr denn je salonfähig– ob in der medialen Berichterstattung, im öffentlich-politischen Diskurs oder auf institutioneller Ebene.

„Wie Muslime halt so sind“: Die Konstruktion des „Islam“ als das unvereinbar „Andere“ mit der vermeintlich homogenen „eigenen“ europäischen Wertegemeinschaft, hat eine lange Tradition, die weit vor 9/11 begann. Immer wieder wurden muslimische Menschen und muslimische Lebenswelten als Projektionsfläche vielfältiger sozialer und (global-)politischer Probleme inszeniert. Wie gegenwärtig Antimuslimische Ressentiments breite gesellschaftliche Akzeptanz erfahren, verdeutlicht sich mitunter anhand der Debatten über die Kölner Silvesternacht. In der Überschneidung mit weiteren Herrschaftsformen wie zum Beispiel Sexismus, Klassismus oder Homophobie, ist Antimuslimischer Rassismus mittlerweile eines der Strukturmerkmale westlicher Gesellschaften.

„Früher war ich Schriftstellerin, Übersetzerin, Mutter und Nachbarin. Heute bin ich nur noch die Muslimin.“ Antimuslimischer Rassismus drückt sich als Diskriminierungsform in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen aus: In der Schule, beim Zugang zum Arbeitsmarkt, oder bei der Wohnungssuche. Brandanschläge auf islamische Gemeinden, Hate Speech in digitalen Netzwerken, verbale und physische Attacken auf muslimische Menschen – all dies nimmt beständig zu. Dabei betrifft Antimuslimischer Rassismus nicht nur Menschen, die sich selbst als Muslim_innen bezeichnen. Sondern auch jene, die aufgrund ihres äußerlichen Erscheinungsbildes, ihrer Sprache oder ihres Namens als Muslim_innen wahrgenommen werden.

In Form von Inputs und Workshops möchte ADA auf dem Fachtag einen Diskussion- und Reflexionsraum öffnen, um folgenden Fragen nachzugehen:

• Welchen gesellschaftlichen und (global-)politischen Funktionen kommen gegenwärtig Antimuslimischem Rassismus zu?
• Welche Rolle spielen unsere, jeweils unterschiedlichen, eigenen Positionen und Handlungen darin?
• Wie äußert sich Antimuslimischer Rassismus in unterschiedlichen Arbeits- und Handlungsfeldern wie den Medien, dem öffentlichen Dienst und der Justiz?
• Welche Handlungsmöglichkeiten können wir entwickeln, um Diskriminierung entgegenzuwirken?

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