Termine

Mehrfachdiskriminierung

ADA-Veranstaltungsreihe

ADA/Antidiskriminierung in der Arbeitswelt lädt ein zur Auftaktveranstaltung: Diskriminiert und das mehrfach? Aktuelle Debatten und praktische Handlungsstrategien. Am Montag, 7. November, um 17.30 Uhr ins DGB Haus (beim Bhf.)

Gäste:
Ayla Satilmis, verantwortlich für “e n t e r s c i e n c e”, ein intersektionelles Projekt an der Uni Bremen, das sich für die Öffnung der Hochschule Richtung Vielfalt einsetzt und gleichzeitig gegen Diskriminierung tätig ist.
Sogand Schorb: Sie ist vor 14 Jahren aus dem Iran zum Studium nach Deutschland gekommen.
Salma Arzouni, GLADT e.V. (Leiterin der Beratungsarbeit und Projektkoordinatorin): Der GLADT e.V. existiert seit 1997 und bietet psychosoziale Erstberatung u.a. zu Diskriminierung an. Er engagiert sich auf unterschiedlichen Ebenen gegen Rassismus, Sexismus, Trans*- und Homophobie sowie andere Formen von Diskriminierung.

In der Auftaktveranstaltung werden die Gäste aus unterschiedlichen Blickwinkeln in das Thema der Mehrfachdiskriminierung einführen. Dabei wird es auch um praktische Fragestellungen gehen, beispielsweise welche Auswirkungen Mehrfachdiskriminierung auf das eigene Leben hat, nicht zuletzt bei der Erwerbsarbeit. In den weiteren Veranstaltungen der Reihe wollen wir uns genauer mit der Überschneidung verschiedener Merkmale wie Gewicht und Geschlecht oder Rassismus und Homophobie beschäftigen.
Weshalb eine Veranstaltungsreihe zu Mehrfachdiskriminierung?
„Ich bin schwul, ich bin jüdisch und ein Kommunist dazu. Ich bin schwarz und behindert, doch genauso Mensch wie du!“ (Wizo, Raum der Zeit)
Der Schutz vor Diskriminierung ist ein hohes Gut und wird in zahlreichen Rechtsnormen geregelt. Verschiedene Verbände, Beratungsstellen und Selbsthilfe-Organisationen sowie aktivistische Zusammenschlüsse setzen sich für die Umsetzung von Diskriminierungsfreiheit ein. Zugrunde gelegt werden dabei meist einzelne Merkmale, auf die sich diskriminierendes Handeln bezieht: Geschlecht, sexuelle Orientierung, (zugeschriebene) Herkunft, Alter, Behinderung, Religionszugehörigkeit oder die Weltanschauung.
Doch lassen sich Menschen nicht auf eines dieser Merkmale reduzieren: Wir sind nicht nur lesbisch oder jung, nicht nur migrantischer Herkunft oder sehbehindert. Wir zeichnen uns vielmehr durch ganz verschiedene Merkmale aus. Dies gilt auch im Zusammenhang mit Diskriminierung. So werden beispielsweise nicht alle Frauen auf die gleiche Weise diskriminiert. Je nach Alter, Religion, Herkunft oder Hautfarbe kommen mehrere Dimensionen zusammen, die nicht voneinander getrennt werden können. Das führt dazu, dass eine ältere, weiße Frau eine andere Diskriminierung erfährt als eine Schwarze, jüngere Frau, worauf vor allem die Schwarze Frauenbewegung der 1970er Jahre in den USA hingewiesen hat. Auch im deutschen Kontext ist Mehrfachdiskriminierung ein Thema: So wird beispielsweise in der Diskriminierungsumfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes deutlich, dass sich über 40 Prozent der geschilderten Diskriminierungserfahrungen aufgrund des Alters gleichzeitig auf das Geschlecht der Befragten beziehen.
Dennoch wird das Thema bisher vor allem auf zwei Ebenen verhandelt: Zum einen in der Wissenschaft als so genannte “Intersektionalität” (was grob mit “Überschneidungen” übersetzt werden kann). Zum anderen auf der Ebene der Betroffenen und des politischen Aktivismus. Hier haben sich teilweise spezifische Zusammenhänge gebildet, wie beispielsweise migrantische Frauen/Lesben/Trans-Gruppen. Aus diesen Zusammenschlüssen sind auch vereinzelt Beratungsstellen hervorgegangen, die sich speziell an solche mehrfachdiskriminierte Zielgruppen richten, wie etwa GLADT e.V. in Berlin.
Die weitaus meisten Beratungsstellen (genauso wie Betroffenen-Gruppen und aktivistischen Netzwerke) stellen jedoch weiterhin nur ein Merkmal in das Zentrum ihrer Arbeit: Das Geschlecht, das Alter, die Behinderung, die Herkunft usw. Dies hat diverse Vorteile, wie etwa einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz im jeweiligen Themengebiet. Je nach personeller Zusammensetzung der Beratungsstellen oder Gruppen ist auch ein Gefühl des ‚Aufgehoben-Seins‘ unter Gleichen für viele Betroffene wichtig. Umgekehrt kann diese merkmalspezifische Aufteilung dazu führen, dass Betroffene verunsichert sind, welche Gruppe oder Beratungsstelle die für sie ‚richtige‘ bzw. passende ist. Zudem kommt es immer wieder vor, dass Betroffene nur mit einem Teil ihrer Erfahrungen wahr- bzw. ernstgenommen werden – und zwar mit jenen Erfahrungen, die zum Schwerpunkt der jeweiligen Beratungsstelle oder Gruppe passen.
Mit der Veranstaltungsreihe zum Thema Mehrfachdiskriminierung wollen wir deshalb die Frage stellen, was Mehrfachdiskriminierung eigentlich ist, welche Rolle sie für Betroffene spielt und wie ihr angemessen begegnet werden kann – sowohl auf der Ebene der Betroffenen als auch in aktivistischer oder professioneller Hinsicht.

Montag, 7. November, 17:30 Uhr im DGB-Haus (beim Hbf)
http://www.ada-bremen.de

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