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Do, 15. November 2018

Genug ist genug:
Bremerinnen und Bremer zeigten Gesicht

Bürgermeister und DGB hatten aufgerufen zur Demo am 14. November 2018

Alle Bremerinnen und Bremer waren am Mittwoch, 14. November, aufgerufen, „Gesicht zu zeigen“ für eine offene, freie und solidarische Gesellschaft. Der DGB-Bremen hatte die Kundgebung nach dem Demonstrationszug durch die Stadt initiiert. In seiner Rede auf dem Marktplatz vor Tausenden Bremerinnen und Bremern „und solchen, die sich in unserer Stadt wohl fühlen“, so Sieling, setzte der Bürgermeister ein klares Signal gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Populismus und einen wiedererstarkenden Antisemitismus. „Wenn der Holocaust zu einem ‚Fliegenschiss der deutschen Geschichte‘ erklärt wird oder offen Jagd auf Andersdenkende und Andersaussehende gemacht wird, dann ist der Punkt gekommen, an dem wir alle sagen müssen: Genug ist genug!“
Es sei wichtig, achtsam zu bleiben und rechtzeitig zu widerstehen, zu protestieren und zu handeln, wo Menschen ihrer Menschenrechte beraubt, wo sie verfolgt und diskriminiert werden. Rechtsradikalismus müsse mit allen rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft werden. Aber, so Sieling, man könne solchen Entwicklungen nicht allein mit staatlicher Gewalt begegnen. Es brauche vor allem ein politisches und gesellschaftliches Klima, das getragen ist von Verantwortung und Sorge für das Miteinander. „Die Demokratie braucht Demokratinnen und Demokraten“, sagte Sieling, eine tiefere Bedrohung komme vom Wegschauen und nicht ernst nehmen.

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Laut Veranstaltern demonstrierten etwa 4500 Menschen, die Polizei geht von 2500 aus.

Auch Werders Präsident Hubertus Hess-Grunewald setzte ein deutliches Zeichen: „Bei unseren Grundwerten dürfen wir keine Kompromisse machen!“. Sich gegen Rassismus und Nationalismus zu artikulieren, dass sei der Verein nicht zuletzt den Familien der Spieler schuldig, die nach Bremen kommen und hier eine neue Heimat finden. Auch Werder-Stürmer Martin Harnik forderte angesichts der politischen Entwicklungen, dass man „klare Kanten zeigen“ müsse.
Auch die Kirche beteiligte sich an dem Protestzug und hatte in ihrer Präsidentin Edda Bosse eine leidenschaftliche Rednerin, die an die Geschichte erinnerte und an die Verantwortung jedes einzelnen appellierte.
Meliksah Senyürek vom Bremer Rat für Integration sprach als letzte Rednerin auf der Bühne vorm Schütting. Sie gab Einblicke in ihre persönlichen Erfahrung als Bremerin mit türkischen Wurzeln: „Es ist erschreckend zu sehen, dass Menschen, die genau wir ich hier geboren und aufgewachsen sind, plötzlich als Fremde angesehen werden. Dass Religionen nicht respektiert werden, sexuelle Orientierungen verurteilt werden und die Hilfsbereitschaft so nachgelassen hat. Was ist passiert?“, fragte sie und rief zu mehr Zusammenhalt und Toleranz auf: „Migration ist die Zukunft Deutschlands und Bestandteil unseres Lebens. Und nur zusammen sind wir stark. Dafür stehen wir hier heute. Hand in Hand.“

Rede von Bgm. Carsten Sieling
Rede von Meliksah Senyürek, BRI

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