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Di, 21. August 2018

„Perspektivwechsel“

Zur Situation Geflüchteter auf dem Bremer Arbeitsmarkt

Der Bremer Rat für Integration (BRI), Die Unternehmensverbände im Lande Bremen e.V und der Deutsche Gewerkschaftsbund Elbe-Weser (DGB) luden am 4. September im Rahmen der Integrationswoche ins Haus der Bremischen Bürgerschaft ein. Unter dem Titel „Perspektivwechsel – (Un)Möglichkeiten auf dem Bremer Arbeitsmarkt“ wurde die Situation Geflüchteter bei der Arbeitssuche in den Fokus gestellt.

Podium-komplett K
(V.l.): Mila Manal Chami, Muhammad Alalloush, Zakaria Dahmoun, Libuse Cerna (Vorsitzende BRI), Sam Seedy Gibba, Annette Düring (DGB), Basem Khan (Kfz-Meister, Unternehmer), Cornelius Neumann-Redlin (Geschäftsführer Die Unternehmensverbände im Lande Bremen e.V)

Vier junge Geflüchtete aus Syrien, Algerien und Gambia berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen. Der 33-Jährige Mohammad Alalloush der 2015 bereits mit einem Hochschulabschluss in Jura nach Bremen kam, berichtet von unnötigen Umwegen und Zeitverlust. „Ich wünschte, dass der Studienabschluss mehr zählen würde. Dass man beispielsweise gezielte Weiterbildungen machen kann, aber nicht nochmal ein ganzes Studium absolvieren muss.“
Sam Seedy Gibba (29), der heute als Maschinenbauer arbeitet, erinnerte sich, dass für ihn die Prüfung sprachlich sehr schwer war. „Vor allem die handwerklichen Begriffe“, sagt er. „Die praktische Seite war gar kein Problem. Ich würde mir wünschen, dass Geflüchtete in der Schule da mehr Unterstützung bekommen.“
Von Seiten der Unternehmensverbände sprach Cornelius Neumann-Redlin davon, dass sich seit 2015 sehr viel getan habe: „Jobcenter, Behörden und Unternehmen haben viel gelernt. Da musste erstmal ein neues Denken in Gang gebracht werden. Internationale Unternehmen waren im Vorteil, wie wir an Daimler gesehen haben“, sagt Neumann-Redlin. „Da sind schnell Programme angelaufen.“ Immer mehr würden jetzt aber auch mittlere und kleine Unternehmen integrieren.
Der im Libanon geborene Basem Khan, der als Kfz-Meister ein eigenes Unternehmen führt, widerspricht: „Viele kleine und mittelständische Unternehmen waren sogar die ersten, die zur Integration bereit waren“, sagt er. „Wir haben zwar nicht sofort Arbeitsplätze parat gehabt, aber wir haben beispielsweise Praktika angeboten, damit die Geflüchteten das System hier kennenlernen können.“ Heute gebe es die Einstiegsqualifizierung, die sehr sinnvoll sei, weil die angehenden Auszubildenden in dieser Zeit die Sprache und den Betrieb schon mal besser kennenlernen können. Die Sprache, so Basem Khan, sei die größte Schwierigkeit, auch bei seinen beiden Azubis. Ansonsten, so glaubt er, gibt es in Bremen gute Chancen für Flüchtlinge im Handwerk einen Ausbildungsplatz und Arbeit zu finden.
Cornelius Neumann-Redlin sieht in Zeitarbeitsfirmen große Chancen für Geflüchtete: „Hierüber lässt sich prima ein Einstieg in den Arbeitsmarkt finden, denn hier kann man viel ausprobieren.“
Deutlich wurde in der Diskussion, dass die Sprache die größte Hürde beim Einstieg in den Arbeitsmarkt darstellt. „Hier wäre noch mehr Hilfestellung und Begleitung vonnöten“, sagt Annette Düring vom DGB. Darüber hinaus könnte ein Ansatz sein, mitgebrachte Abschlüsse und die Wertschätzung mitgebrachter Kompetenzen stärker in den Fokus zu nehmen. Von deutschen Bürokraten vorgeschlagene Wege in den Arbeitsmarkt seien bisweilen umwegig, demütigend und dauerten oft schlicht zu lang.

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