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Di, 04. Juni 2019

Gelebte Kunst

Geflüchtete Menschen und Alt-Bremer besuchten zusammen die Ausstellung „Inside the Outside“

Mehr Besucherinnen und Besucher hätten es nicht sein dürfen. Schon die etwas mehr als 80 Frauen, Männer und Kinder füllen die obere Etage im Ludwig Roselius Museum in der Böttcherstraße fast zur Gänze aus. Sie lauschen den Ausführungen des Museumsdirektors und Kurators Frank Schmidt, der ihnen etwas über das Haus und die Ausstellung „Inside the Outside“ erzählt. Diese besondere Besichtigung entstand in Zusammenarbeit der Museen der Böttcherstraße mit der Initiative „Gemeinsam in Bremen“ (GiB) in Trägerschaft der AWO Bremen und dem Bremer Rat für Integration.

Frank-Schmidt Lucyna-Bogacki Libuse-Cerna Direktor der Museen der Böttcherstraße Frank Schmidt, Lucyna Bogacki (AWO Bremen und BRI) und Libuse Cerna (Vorsitzende BRI) Foto: Liane Janz

Besonders war sie deshalb, weil sie sich speziell an geflüchtete Menschen, die zum Teil noch in Übergangswohnheimen, zum Teil schon in eigenen Wohnungen leben, sowie freiwillige Helfer in Einrichtungen der AWO für Geflüchtete und Asylbewerber richtete. Denn die Ausstellung, die bis zum 26. Mai in der Böttcherstraße zu sehen war, zeigte Portraits geflüchteter Menschen. Der Maler Ruprecht von Kaufmann portraitierte zwei Jahre lang Menschen, die aus Krisengebieten nach Deutschland geflohen waren. Nach einer Ausstellung im UNO-Hauptquartier in New York reisten die Portraits nach Bremen, wo sie zwischen den altmeisterlichen Werken von Reichen und Adligen arrangiert wurden.
Diese Mischung sagte den Organisatoren von GiB besonders zu: Die jungen Portraits korrespondieren mit den alten, schauen sie an, wenden sich ab oder starren nachdenklich an ihnen vorbei. Die Intention der Ausstellung haben die Organisatoren der Besichtigung ins wahre Leben übertragen. „Wir haben sowohl Freiwillige als auch Geflüchtete und Migranten zu der Ausstellung eingeladen, damit Neu-Bremer zusammen mit Alt-Bremern in den Kunstgenuss kommen“, sagte Lucyna Bogacki von der AWO Bremen, zuständig für zivilgesellschaftliches Engagement in der Stadt. Kunst könne eine Brücke schlagen und Impulse zu einer Kommunikation untereinander geben. Dadurch blieben geflüchtete Menschen keine namenlose Masse, sondern bekommen Gesichter, Namen und Lebensläufe – ähnlich wie es der Künstler beabsichtigte.
Um die Ausstellung zu sehen, hatten die Besucherinnen und Besucher zum Teil weitere Wege auf sich genommen. Eine große Gruppe kam beispielsweise aus der Erstaufnahme in Vegesack. Andere kamen aus Huchting in die Innenstadt, aber auch andere Stadtteile, wie die Vahr, waren vertreten. Gerade denen, die noch nicht so lange in Deutschland leben, fiel es schwerer, den Ausführungen Frank Schmidts zu folgen. Mitgereiste Freiwillige mussten helfen. Durch den Ausflug in die Bremer Innenstadt und eines ihrer Wahrzeichen, die Böttcherstraße, lernten die Frauen und Männer mit Flucht- und Migrationshintergrund ihre neue Heimat gleich auch ein bisschen besser kennen. Und auch einige Alt-Bremer lernten Neues dabei, hatten auch sie es in ihrem Leben bislang noch nicht ins Ludwig Roselius Haus geschafft.

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