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Mi, 24. April 2019

Resonanz der Kulturen – Integration in Bremen

Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidatinnen und -kandidaten vor der Bürgerschaftswahl

Der Bremer Rat für Integration (BRI) hatte am Dienstagabend, 23. April, zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidaten der Parteien vor der Bürgerschaftswahl eingeladen. Unter dem Titel „Resonanz der Kulturen – Integration in Bremen“ sollte der Fokus auf den Bereichen „Bildung“, „Beschäftigung“ sowie „sozialer Zusammenhalt und Spaltung der Gesellschaft“ liegen. Grundlage für die Befragung war der rund 20-seitige Forderungskatalog, mit dem sich der BRI Anfang des Jahres an die Politiker aller Parteien gewandt hatte.
Auf dem Podium saßen Carsten Sieling (SPD), Maike Schaefer (Bündnis 90/ Die Grünen), Sofia Leonidakis (Die Linke), Magnus Buhlert (FDP) sowie Heiko Strohmann (CDU).
Rund 150 Menschen waren der Einladung in das Foyer des Bremer Theaters gefolgt. Darunter drei Dutzend Mitglieder des Bündnisses „Together we are Bremen“, die sich direkt nach der Begrüßung geschlossen erhoben und die Veranstaltung unterbrachen. Auf Englisch richteten sie ihre Kritik an die Bremer Politiker und warfen ihnen vor, hier über Integration sprechen zu wollen, obwohl sie Exklusion praktizierten (die Aktivisten setzen sich, laut ihrer Facebookseite, gegen Abschiebung und für eine bessere Unterbringung von Geflüchteten in Bremen ein).

Podium
V.l.: Lucyna Bogacki (Moderatorin), Magnus Buhlert (FDP), Sofia Leonidakis (Die Linke), Carsten Sieling (SPD), Maike Schaefer (Bündnis 90/ Die Grünen), Heiko Strohmann (CDU), Libuse Cerna (Moderatorin)

Was ist Integration überhaupt? Bildung, Arbeit und Wohnen – als wichtigste Faktoren für eine gelungene Integration – würden auch die nächsten Jahre die großen Themen bleiben, so Sieling. Bremen wolle ein sicherer Hafen sein. Als er betonte, dass alles getan würde, damit möglichst viele bleiben können, gab es erneut Protest und wütende Zwischenrufe aus dem Publikum. Grünenpolitikerin Maike Schäfer verwies darauf, dass ihre Partei, sich zur Seebrücke bekenne, denn vor der Integration stehe die Flucht, die schon Tausende Menschenleben gefordert habe. Sofia Leonidakis (Die Linke) plädierte für eine inklusive Gesellschaft. Inklusion statt Integration. Erst dann könne von „sicherem Hafen“ gesprochen werden. „Das heißt, dass Bremen und Bremerhaven solidarische Städte werden sollen.“ Es müsse beispielsweise Wohnraum geschaffen werden statt Massenunterkünfte, so Leonidakis. Buhlert von der FDP sprach sich für ein geordnetes Einwanderungsrecht und gleichzeitig die schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse aus, um die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt voranzubringen. Auch Heiko Strohmann von der CDU sah über die Teilhabe im Arbeitsmarkt die beste Integrations- und Sprachschulung.
Nun durften Sprecher und Gäste der BRI-AGs „Bildung“ ihre vorbereiteten Fragen an die Politiker stellen. Die Diskussion ging von Spracherwerb über Stärkung der Jugendarbeit, verpflichtende interkulturelle Fortbildungen für Lehrkräfte (FDP und CDU) bis hin zur Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle (SPD, Linke, Grüne), die auch der Bremer Rat für Integration seit Jahren fordert.
Leider blieb für den Themenkomplex „sozialer Zusammenhalt und Spaltung der Gesellschaft“, nicht mehr viel Zeit. BRI-Mitglied Christoph Fantini von der Uni Bremen hielt dazu ein kurzes Impulsreferat: Das Wirtschaftswachstum erreiche nicht die Langzeitarbeitslosen, Armut gehe oft mit Bildungsarmut einher und würde immer wieder reproduziert, so Fantini. Auswirkungen seien Aggression, Lethargie und sogar eine geringere Lebenserwartung. „So eine Gesellschaft ist nicht aufnahmebereit“, mahnte Fantini an. Am Ende war man sich einig, dass das Thema Integration nicht nur Flüchtlinge und Migranten, sondern ebenso Deutsche betreffen muss.

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