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Mi, 01. April 2020

Brief von Barbara Schneider (BRI) zur Vorgehensweise des Flüchtlingsrates Bremen

Ein Brief von Barbara Schneider, die als Vertreterin der katholischen Kirche Mitglied im Bremer Rat für Integration (BRI) und seit Jahren in der Flüchtlingsarbeit aktiv ist.

Flüchtlingsrat zeigt Sozialbehörde an

Ich bin seit mehreren Jahren in der Unterstützung geflüchteter Menschen aktiv, und ich konnte mich häufig mit den Forderungen und Statements des Flüchtlingsrats identifizieren. Wie aber jetzt dort agiert wird, ist meiner Meinung nach völlig überzogen und bringt mich (und viele andere aus unserem Umfeld) dazu, auf Distanz zu gehen.
Die Erstaufnahmestelle in der Lindenstraße ist keinesfalls das Ideal einer Unterbringung. Das behauptet niemand, vor allem auch die Sozialsenatorin nicht. Jetzt jedoch die sofortige und komplette Schließung zu verlangen, ist kurzsichtig – und auch gesetzlich doch wohl kaum möglich. Wie soll bei einer dezentralen Unterbringung die Unterstützung und Beratung für die Menschen organisiert werden? Wie soll die ärztliche Versorgung sichergestellt werden? Alles Aspekte, die in der Lindenstraße gewährleistet sind. Dort ist das Gesundheitsamt vor Ort, die Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten ist gegeben.
Die Sozialbehörde ist dabei, die Menschen in kleineren Einheiten unterzubringen. Dass das nicht „mal eben“ innerhalb von wenigen Tagen geht, dürfte doch wohl auf der Hand liegen. Dass aber alle Beteiligten ihr Bestes tun und sich intensiv bemühen, dürfte auch klar sein. Nicht nur das Engagement des Flüchtlingsrates ist das einzig Wahre und Gute, es gibt in der Stadt noch sehr viele andere Menschen, die sich für Geflüchtete engagieren.
Was mir die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist die Wortwahl des Flüchtlingsrates auf der Homepage und in Pressemitteilungen. Da ist von „Landesausgrenzungsstelle“ und „Lager“ die Rede. Nein, ihr Leute vom Flüchtlingsrat, damit überzieht ihr komplett. „Lager“ sind die Zeltstädte in Griechenland, Libyen und anderswo, wo die Zustände unhaltbar und unmenschlich sind und die Menschen unter elenden Bedingungen leben müssen. In der Lindenstraße ist die Unterbringung ganz gewiss nicht ideal, aber sie kann mit den Zuständen in Griechenland oder Libyen keinesfalls verglichen werden.

Barbara Schneider

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