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Mo, 23. Mai 2022

"Was ihr nicht seht"

Hasskriminalität und Alltagsrassismus – Vorstellung der Studien-Ergebnisse im Theater Bremen

Der Bremer Rat für Integration (BRI) hat im Sommer-Semester 2021 in Kooperation mit der Kulturwissenschaft der Universität Bremen und der Polizei Bremen ein Stadtforschungsprojekt gestartet (Bericht MITeinander 04/2021). Dabei ging es darum, Rassismus in Bremen sichtbar zu machen. In der Veranstaltung „Was ihr nicht seht“ am 17. Mai im Theater Bremen wurden die Ergebnisse öffentlich vorgestellt.

123 Menschen in Bremen wurden von Student*innen des Studiengangs Kulturwissenschaft befragt. In den vergangenen zwei Jahren haben 65 von ihnen selbst rassistische Gewalt erlebt (39) und/oder waren Zeug*innen (45). Davon gaben 42% an, dass sie nicht wussten, was sie hätten tun können. Nur 13% haben die Polizei gerufen und nur 1% wandte sich an eine Beratungsstelle. „Die deutlich werdenden mangelnden Hilfeleistungen durch Zeug*innen erfordern eine breite Sensibilisierungsarbeit und Aufklärung. Für diejenigen, gegen die sich die Straftaten richten, braucht es dringend Schutzmaßnahmen, Handlungsmöglichkeiten und ihnen zugängliche Informationen dazu“, so Studienleiterin Dr. Margit Kaufmann, wissenschaftliche Expertin für Diversity an der Uni Bremen.

Podium Online
V.l.: Mehmet Cacan (BRI), Dr. Cihan Sinanoglu (Nationaler Diskriminierungs- und Rassismusmonitor), Libuse Cerna (Moderatorin, BRI), Dr. Carsten Roelecke (Polizei Bremen), Dr. Margrit E. Kaufmann (Kulturwissenschaft, Universität Bremen)

Klar ist, dass diese kleine Studie nur als Einstieg in ein Thema verstanden werden kann, das die gesamte Bevölkerung etwas angeht und mehr Aufmerksamkeit benötigt. Der Bremer Rat für Integration fordert deshalb:
1. Durchführung einer groß angelegten quantitativen und qualitativen Studie zu Alltagsrassismus und rassistisch motivierter Gewalt im Land Bremen.
2. Schaffung mehrsprachiger, niedrigschwelliger (breit zugänglicher) Informationsangebote für potenziell Betroffene von Hasskriminalität, die die Schutzmöglichkeiten des Rechtsstaates deutlich machen.
3. Ausreichende, nachhaltige Finanzierung der Landesantidiskriminierungsstelle als verlässliche Anlauf- und Beratungsstelle sowie nachhaltige Finanzierung weiterer Beratungsstellen.
4. Eine öffentliche Kampagne zu Gewalt gegenüber als „fremd“ markierten Personen(gruppen) nach dem Vorbild der Landeskommission Berlin gegen Gewalt.

Im Anschluss an die Vorstellung der Ergebnisse diskutieren Dr. Cihan Sinanoglu vom Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor, Dr. Margrit E. Kaufmann von der Universität Bremen, Dr. Cartsen Roelecke von der Polizei Bremen und Mehmet Cacan vom den BRI zum Thema „Vorurteilsgeleitete Straftaten und Datenerhebung als Präventionsmaßnahme“, moderiert von Libuse Cerna.

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