Presseinformationen

So, 15.08.2010

„Integrationspreis 2010 – pro engagement“

Es sollte spannend bleiben bis zur letzten Minute. Denn ganz nach dem Vorbild der großen Oskar-Verleihungen, wussten die Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer bis zur Verlesung durch die Vorsitzende des Bremer Rates für Integration, Libuse Cerna, nicht, wer das Rennen gemacht hatte. Insgesamt hatten sich 28 Projekte, Maßnahmen und Konzeptionen auf die Ausschreibung im Frühjahr beworben. Einsendeschluss war der 30. Mai gewesen.
Am 15. August um 17 Uhr überreichten Bürgermeister Jens Böhrnsen und die Vorsitzende des Bremer Rates für Integration, Libuse Cerna, den vom Bremer Rat für Integration ausgelobten Preis in der Oberen Rathaushalle. „Er soll Anregungen für ein entsprechendes Engagement im Bereich von Migration und Integration geben“, so Libuse Cerna.
Wichtig bei der Beurteilung der Bewerbungen war, dass Migranten und Einheimische als Akteure und Zielgruppe gleichermaßen mit einbezogen waren. Eine fünfköpfige Jury, darunter der Bremer Satiriker Osman Engin, haben über die Preisvergabe entschieden:

Der erste Preis, mit 2.000 Euro dotiert, ging an Schülerinnen und Schüler aus dem zweijährigen Bildungsgang für Altenpflegerhelfer an der „Berufliche Schule für Gesundheit am Schulzentrum Walle“ für ihr Projekt „Miteinander von Jung und Alt – ein Kofferprojekt“.

Der zweite, mit 1.000 Euro dotierte Sonderpreis für ehrenamtliches Engagement, ging an Nina Brunsch für das Projekt „Hoffnung für russischsprachige suchtkranke Migranten“, angesiedelt beim interkulturellen Gesundheitsnetzwerk Bremen (ign).

Die Projekte:

1. Preis: „Miteinander von Jung und Alt – ein Kofferprojekt“ Schülerinnen und Schüler aus dem zweijährigen Bildungsgang für Altenpflegehelfer, von denen 50 bis 70 Prozent einen mehrkulturellen Hintergrund haben, entwickelten die Idee 2008 im Rahmen ihres Politik- und Pflegeunterrichts. Anlass war eine Diskussion über die Neujahrsansprache des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, in der er zu „intensiveren Begegnungen zwischen den Generationen“ aufrief.
So haben sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit den Lebenswelten älterer Menschen in Alten- und Pflegeheimen auseinandergesetzt. Im gemeinsamen Dialog kristallisierten sich Themen heraus, die sich für die Kommunikation zwischen den Generationen gut eignen. Daraufhin entstanden „Koffer der Sinne“, der „Vergangenheit“, der „Erinnerung“ oder „Entspannung“. Sie kommen während der Besuche in den Alteneinrichtungen zum Einsatz, um bei älteren Menschen Erinnerungen wach zu rufen, die Sinne anzuregen und den Austausch mit jungen Menschen in Gang zu bringen. Dadurch entstehen gelebte Momente des Austauschs zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Generation über Wünsche, Sehnsüchte, Ängste, Geschichten und Biografien. Das fördert die gegenseitige Wahrnehmung und das Verständnis füreinander.
„Bemerkenswert geringer finanzieller Aufwand mit großer sozialer und integrativer Wirkung“, urteilt die Jury. „Das Kofferprojekt ist kreativ, innovativ und es setzt in Bremen nachhaltige Integrationsprozesse in Gang“.


2. Preis, Sonderpreis für ehrenamtliches Engagement: Nina Brunsch für das Projekt „Hoffnung für russischsprachige suchtkranke Migranten“

Laut Polizeiberichten haben Gewalttaten, die auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind, innerhalb russischsprachiger Familien in den vergangenen Jahren zugenommen. Vieles bleibt im Verborgenen, in den Familien. Man versucht, die Probleme mit „eigenen Mitteln“ zu bekämpfen. Angebote von Gesundheitsbehörden und Beratungsstellen werden kaum in Anspruch genommen. Gespräche über eigene Ängste, Befindlichkeiten oder Unzulänglichkeiten sind eher verpönt, sie entsprechen nicht den bekannten Verhaltensmustern.
Nina Brunsch nennt sich selbst „russischsprachige Suchtberaterin“. Ihr ist es gelungen, das Thema „russischsprachige Suchtkranke“ zu enttabuisieren, in bestehende öffentliche Gesundheitssysteme einzubinden und eine entsprechende Öffentlichkeit dafür zu schaffen, indem sie einen Anlaufpunkt beim Interkulturellen Gesundheitsnetzwerk Bremen (ign) für diese Zielgruppe ins Leben rief. Sie hat die erste norddeutsche Selbsthilfegruppe für russischsprachige Suchtkranke initiiert und gegründet, basierend auf einem personenzentrierten Ansatz.
Durch ihre kontinuierliche Arbeit und ihr persönliches Engagement hat sie es geschafft, Vorurteile und Ängste der Betroffenen gegenüber deutschen Behörden und Institutionen abzubauen und sie zu überzeugen, an stationären Therapiesystemen teilzunehmen.

„Dabei spielt der persönliche Einsatz, die Empathie und Hingabe von Nina Brunsch eine wichtige Rolle, die weit über die Grenzen einer professionellen Tätigkeit hinausgehen“, so die Jury. „Außerdem möchten wir damit auf ein Themenfeld aufmerksam machen. Das oftmals in der Öffentlichkeit eindimensional und wenig kenntnisreich diskutiert wird. Hierdurch soll die Chance entstehen, in weiteren Begegnungen und Veranstaltungen über das Thema differenzierter zu sprechen.“

Ansprechpartnerin für die Presse:
Silke Düker, Tel.: 0421/ 168 29 13 oder 0179 661 96 02

Bremer Rat für Integration
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Bahnhofsplatz 29
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