Presseinformationen

Di, 03.11.2020

Stellungnahme zum rassistischen Angriff auf eine junge Frau in einem Bremer Nachtbus

Fassungslos und traurig nimmt der Bremer Rat für Integration den rassistischen Angriff auf eine junge Frau in einem Nachtbus Richtung Huchting am vergangenen Freitag, 30.10.2020, zur Kenntnis. Wegen ihrer Hautfarbe wurde die junge Frau von drei Männern erst rassistisch beleidigt und dann geschlagen. Man hat ihr offenbar selbst am Boden liegend gegen den Kopf getreten. Diese Tat ist höchst verstörend, rassistisch und sexistisch. Unsere Gedanken sind bei der jungen Frau, der wir eine schnelle Genesung und eine gute Betreuung wünschen. Der Bremer Rat für Integration ist höchst besorgt ob der Zunahme von Berichten über rassistische Beleidigungen und körperlichen Übergriffen in der Öffentlichkeit. Menschen, die als fremd markiert werden, berichten uns immer häufiger von Beleidigungen und gezielten körperlichen Übergriffen. Nur wenige trauen sich, rechtlich dagegen vorzugehen bzw. Anzeige zu erstatten. Studien zum Anzeigeverhalten von Betroffenen von rassistischen Gewaltdelikten bestätigen genau das. Die wenigsten Fälle von Hasskriminalität werden angezeigt und gelangen somit nicht ins Hellfeld (vgl. Kernbefunde der Dunkelfeldstudie 2017 des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein). Besonders häufig berichten uns Frauen von Übergriffen: schwarze Frauen, als fremd markierte Frauen, muslimische Frauen, insbesondere mit Hijab. Als ein besonderes Risiko erweist sich der ÖPNV. In der Vergangenheit gab es zahlreiche Berichte über Vorfälle bundesweit. Wir haben bereits vor zwei Jahren dahingehend das Gespräch mit verschiedenen Bremer Institutionen, darunter mit der BSAG, gesucht, um gemeinsam Initiative zu ergreifen – leider erfolglos.

Der Bremer Rat für Integration erwartet eine lückenlose Aufklärung, des Vorfalls und schnelle Maßnahmen, um dieser bedrohlichen Entwicklung entgegenzuwirken. Solche Taten, wie die, die sich am Freitag ereignet hat, senden fatale Signale an Minderheiten-Communities in dieser Stadt. Sie sorgen dafür, dass die Kriminalitätsfurcht einzelner Gruppen zunimmt. Menschen haben Angst sich frei zu bewegen, weil sie sich fürchten, auch Opfer von rassistischen Gewalttaten zu werden. Wir verlangen daher klare Signale an Bremer Communities:
1. Wir fordern Sensibilisierungskampagnen, Aufklärung und mehr politische Bildung für die Gesellschaft mit dem Ziel, besser darüber informiert zu sein, wie man sich verhält, wenn man Zeuge*in von Übergriffen, insbesondere von rassistischen, sexistischen und sonstigen gruppenbezogen menschenfeindlichen Taten wird.
2. Wir fordern Sensibilisierungsschulungen und entsprechende Fortbildungen von Mitarbeitenden im ÖPNV, um in Zukunft adäquat und konsequent mit solchen Vorfällen umgehen zu können.
3. Wir fordern eine vertiefende Zusammenarbeit mit der Polizei und den Sicherheitsbehörden, um Hasskriminalität in Bremen – nicht nur mit Blick auf diese schreckliche Tat – zu begegnen und eine realitätsnahe statistische Erfassung u.a. durch eine bessere Anzeigebereitschaft zu erzielen.
4. Wir fordern die Entwicklung wirkungsvoller Instrumente gegen Rassismus und rassistische Gewalt durch den Senat im Rahmen der Erstellung des Landesaktionsplans zur Abwehr von Rassismus und verlangen daher ein zeitlich umfangreiches Beteiligungsverfahren.

Bremer Rat für Integration 02.11.2020

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