Presseinformationen

Mo, 18.01.2021

Präsenzunterricht ist wichtig!

Der Bremer Rat für Integration begrüßt die mutige Haltung der Senatorin für Kinder und Bildung in Sachen Präsenzunterricht. Bei allem Respekt vor notwendigen Schutzmaßnahmen gegen Covid 19 glauben wir, dass die Senatorin aktuell einen angemessenen und bestmöglichen Kompromiss in Sachen Präsenzunterricht gefunden hat. Ein kompletter Verzicht auf Präsenzunterricht hat aus unserer Sicht eine unangemessen große Benachteiligung der Schüler*innen zur Folge, ggf. sogar langfristige Schäden: Die Klassen 1–6 brauchen Präsenzunterricht! In der Wissenschaft verdichten sich die Hinweise auf psychische Probleme bei jüngeren Kindern, die die Situation nicht wirklich verstehen und verarbeiten können und ganz anders als die älteren (die einfach „ihr Ding machen“) auch merken, dass sie ihren Eltern „zur Last“ werden. Das ist fatal für die kindliche Psyche und schwer für die Eltern, auch wenn bei weitem nicht alle darauf mit häuslicher Gewalt reagieren, aber eben doch mit gestresster Kommunikation.
Zudem geht die hochbedeutungsvolle Funktion des sozialen Lernens – für die Schule auch da ist – im Distanzunterricht verloren, und auch das bleibt nicht folgenlos, nicht nur, aber vor allem bei Jüngeren. Schulen sind nun mal keine reinen Fachlernanstalten!
Aber auch für die Abschlussklassen kann auf Präsenzunterricht nicht verzichtet werden:
• Die I-Pads, sind noch lange nicht überall angekommen!
• Inhaltlich mangelt es, weil man „itlslearning“ zwar nutzen muss, aber ohne Inhaltsvorgabe. Häufig werden nur Aufgabenblätter oder Texte hochgeladen, das war es. Videokonferenzen werden ganz verweigert. Inhalte der Aufgaben werden nicht erklärt, schriftlich gelöste Aufgabenstellungen nicht korrigiert, so dass die Kinder nicht wissen wo sie stehen.
• Immer noch haben viele Kinder keinen Internetzugang (weder zuhause noch in geeigneten Aufenthaltsräumen an den Schulen).
• Schon jetzt sind in vielen Abschlussklassen erhebliche Wissenslücken entstanden, die nicht mehr aufgeholt werden können.
Uns ist bewusst, dass es eine große Zahl an Lehrer*innen gibt, die ein ganz hervorragendes Homeschooling machen – das hilft nur leider denen nichts, die nicht solche Lehrer*innen haben, bzw. dem Unterricht wegen technischer Probleme nicht folgen können.
Der Bremer Rat für Integration weist darauf hin, dass die oben genannten Probleme grundsätzlich alle Schüler*innen treffen. Die Lücken, die fehlender Präsenzunterricht reißt, werden aber umso schwerwiegender, wenn es sich um sozioökonomisch benachteiligte Kinder, vor allem auch mit nicht deutscher Erstsprache handelt. Wird auf Präsenzunterricht komplett verzichtet, droht eine ganze Schülergeneration den Anschluss zu verpassen. Insbesondere Schüler mit Migrationshintergrund brauchen die Unterstützung der Lehrer und Lehrerinnen jetzt, sonst haben sie kaum eine Chance den jeweiligen Abschluss zu schaffen.
Darüber hinaus fordern wir die Senatorin für Kinder und Bildung auf, rechtzeitig zu prüfen, inwieweit Prüfungsinhalte an die erschwerte Situation angepasst werden können, damit sowohl Lehrer*innen aus auch Schüler*innen Planungssicherheit bekommen und die verbleibende Zeit zielorientiert nutzen können.

Bremer Rat für Integration 13.01.2021

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