Einbürgerungslotsen gehen an den Start

Bremen startete im November 2018 auf Drängen des Bremer Rates für Integration (BRI) erneut eine Einbürgerungskampagne. Kernstück sind sogenannte Einbürgerungslotsen, die interessierte Migrantinnen und Migranten unterstützen und begleiten sollen. Der Bremer Rat für Integration (BRI) koordiniert das von ihm vorgeschlagene Projekt.
Denn Hilfe beim Einbürgerungsverfahren ist nach Ansicht von Projektleiter Recai Aytas (BRI) unbedingt notwendig: „Es ist ein bürokratisches Verfahren, das auch viele gut integrierte Migranten abschreckt.“ Dabei gebe es viele gute Gründe, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, angefangen bei der freien Wahl des Wohnsitzes in der gesamten EU, der Reisefreiheit in fast allen Ländern der Welt oder dem vollständigen Wahlrecht. Behördengänge, Mitverträge oder auch die Chance auf einen Arbeitsplatz – all das und mehr wird leichter.
Die Einbürgerung gibt die Möglichkeit, die hiesige Gesellschaft mitzugestalten. Wer ohne Einschränkung mitgestalten kann – das lehrt die Erfahrung – identifiziert sich gleichzeitig auch stärker mit dem Gemeinwesen. „Dazugehören und alle Rechte haben – das bringt die Integration voran“, ist sich auch die Vorsitzende des BRI, Libuse Cerna, sicher.

Einbürgerungslotsinnen und -lotsen haben die deutsche Staatsbürgerschaft und sind mindestens 18 Jahre alt. Ein Migrationshintergrund ist keine Voraussetzung. Die Lotsen sprechen mit an Einbürgerung interessierten Bremerinnen und Bremern über deren Bedenken sowie die Konsequenzen eines solchen Schritts. Dafür bekommen sie vom Migrationsamt eine Schulung.
Mazlum Yalcin ist als Koordinator im Büro des BRI tätig. Immer montags und mittwochs hat er Sprechstunde, beantwortet Fragen und vermittelt zwischen Interessierten und Einbürgerungslotsen.
Im November sind fünf Lotsen an den Start gegangen. Sie beraten auf Türkisch, Arabisch, Spanisch, Französisch, Persisch, Englisch und Deutsch. „Unser Ziel sind 15 Lotsen“, sagt Aytas. Gesucht werden vor allem noch russischsprachige Interessierte. Die Arbeit ist ehrenamtlich, die Einbürgerungslotsen bekommen eine Aufwandsentschädigung und ein Zertifikat über ihre Beratungstätigkeit. Mehr Infos

Khosravi Beschn K Djafar Khosravi (67)
Ich kam 1983 als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland, zunächst nach Berlin, dann nach Braunschwieg. Seit 1984 lebe ich in Bremen. 2013 habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Ich lebe schon so lange hier, Bremen ist meine Heimat geworden. Mir ist es wichtig, hier, wo ich lebe, zu den Wahlen gehen und mit abstimmen zu können. Außerdem war es für mich wichtig, überall hinreisen zu können, ohne extra ein Visum beantragen zu müssen. Ich fühle mich als Bremer, Deutscher und Iraner und engagiere mich auch weiterhin für Menschen aus meiner Heimat: Seit 1986 bin ich bei Amnesty International aktiv und betreue hier afghanische und iranische Flüchtlinge, außerdem bin ich im Rat für iranische Flüchtlinge in Bremen Mitglied.

Becker Beschn K Ana Maria Becker (43)
Ich bin in Kolumbien geboren. Nach Bremen kam ich mit 26 Jahren, also 2001. Ich habe einen Deutschen geheiratet und auch meine beiden Kinder sind in Bremen geboren. Ich habe entschieden, dass hier in Bremen zwar nicht meine Heimat, aber mein Zuhause ist. Hier möchte ich als Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden und mich engagieren. Ich möchte die Politik mitbestimmen und für Urlaubsreisen mit meiner Familie nach Dänemark oder England nicht extra ein Visum beantragen müssen. So fühle ich mich freier.

Cherif Beschn K Abdelaziz Cherif (57)
Meine Heimat ist Tunesien, aber ich lebe seit 1997 in Bremen. Die deutsche Staatsbürgerschaft habe ich seit 2007, weil ich mich hier, wo ich seit über 20 Jahren lebe, gerne mit vollem Recht einmischen und engagieren möchte. Beispielsweise ist es für einen Deutschen viel leichter, einen Verein zu gründen, und natürlich möchte ich auch wählen gehen, um mitbestimmen zu können, von wem Bremen und auch Deutschland, regiert wird. Insgesamt hat man es viel leichter mit der Bürokratie, wenn man Deutscher ist – das fängt beim Reisevisum an und hört bei der Arbeit auf.

Altun Beschn- K Mehmet Altun (58) Ich lebe seit 39 Jahren in Bremen und habe seit 27 Jahren einen deutschen Pass. In Bremen habe ich eine neue Heimat gefunden. Mir war schnell klar: Ich will dazu gehören, offizieller Bürger mit allen Rechten und Pflichten sein. Meine Kinder sind hier geboren, sie waren von Geburt an Deutsche und gehören in diese Gesellschaft. Deshalb ist es für mich klar, dass ich hier bleibe. Entsprechend investiere ich hier in die Zukunft – materiell wie immateriell. Und es gibt Vorteile: Ich muss nicht ständig zur Ausländerbehörde, ich muss keine Angst haben, dass sich deutsche Gesetze zu meinem Nachteil verändern. Und ich genieße die Reisefreiheit, ich habe schon über 30 Länder bereist. Migranten sind Teil der Gesellschaft und wer Teil ist, sollte mitbestimmen können. Dafür muss ich meine Heimat ja nicht aufgeben. Ich bin nur im Sinne des Gesetzes ein Deutscher.

Seena Lotsin Beschn Senaa Al-Khaffaji (41)
Mein Vater kommt aus dem Irak, meine Mutter aus Syrien. Ich bin in Damaskus geboren, lebe seit 1999 in Deutschland und seit zwölf Jahren in Bremen. Vor 17 Jahren, während meines Studiums in Hamburg, habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Damals wollte ich viel reisen, mich zugehörig fühlen und auch politisch meine Meinung äußern können. Ich lebe schon so lange in Deutschland, dass es meine zweite Heimat geworden ist. Das heißt nicht, dass ich den Irak oder Syrien vergessen habe – ich bewahre sie in meiner Seele – doch hier ist mein Lebensmittelpunkt.

Recai-Lotse2 Recai Aytas (53)
Seit 29 Jahren lebe ich in Deutschland, geboren bin ich in der Türkei und aufgewachsen in der Metropole Istanbul. Im Jahre 1993 habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Deutschland ist mein Lebensmittelpunkt und ich wollte ein Teil dieser Gesellschaft sein und politisch mitwirken. Zudem gibt es viele Vorteile, wie zum Beispiel die Freizügigkeit beim Reisen und der Berufswahl. Über meine Entscheidung bin ich heute immer noch sehr froh.

Kontakt über den Koordinator für die Einbürgerungslotsen beim BRI:

Mazlum Yalcin
Sprechzeiten: Mo. und Mi. 10–18 Uhr
Tel.: 0421/ 361 - 168 49
einbuergerungslotsen@migration-bremen.de

Im Büro des BRI
Am Markt 20, 28195 Bremen
Im Haus der bremischen Bürgerschaft
(Eingang Europapunkt)

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