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„Bedingungen gelingender Integration und Identitätsbildung junger Geflüchteter“

Informationsveranstaltung des Zentrums für Schule und Beruf (zsb)

„Der Wunsch, ein Teil der Gesellschaft zu sein, weicht dem Gefühl des persönlichen Scheiterns durch die zunehmende Erkenntnis, dass die eigene Sprache und die mitgebrachten Fähigkeiten in der neuen Umgebung nutzlos sind.“
(Wiesinger, 2018)

Das Zentrum für Schule und Beruf (zsb) organisiert im Rahmen seines 25-jährigen Jubiläums die Veranstaltung „„Bedingungen gelingender Integration und Identitätsbildung junger Geflüchteter“. Denn auf jungen Geflüchteten liegt ein enormer Erwartungsdruck. Gesellschaft, Politik, Behörden, Schule und Jugendhilfe – sie alle erwarten eine möglichst schnelle und nachhaltige Integration. Auch wenn letztendlich alle Beteiligte ihre eigene Vorstellung davon haben, was „Integration“ eigentlich bedeutet, so erwarten doch alle, dass die jungen Menschen schnell Deutsch lernen, gute Leistungen in der Schule erbringen und dann möglichst geradlinig eine Ausbildung absolvieren. Oft erwarten Familien(angehörige) in den Herkunftsländern finanzielle Unterstützung für Bildung, Gesundheitsversorgung oder gar das nackte Überleben und die Flucht weiterer Familienmitglieder. Nicht selten müssen junge Geflüchtete auch die Verantwortung für Geschwister oder ihre eigenen Eltern übernehmen. All diese Erwartungen stellen eine enorme Belastung für junge Menschen dar, die zudem oft traumatisierende Erlebnisse hinter sich haben. Und das kumuliert nun in einer Lebensphase, in der ein junger Mensch eigentlich damit beschäftigt ist, den eigenen Platz in der Welt zu finden – d.h. eine eigene Identität herauszubilden. Das kann zu Brüchen in der Handlungs- und Denkweise der jungen Geflüchteten führen, die Beratende, Lehrkräfte, SozialpädagogInnen, Mitarbeitende in Behörden oder ehrenamtliche Unterstützende irritieren und nicht selten auch ärgern. Die Jugendlichen „funktionieren“ plötzlich nicht mehr so, wie sie sollen, „…dabei war doch alles schon so gut besprochen …“. Wie handeln wir also richtig in dem Spannungsfeld aus eigenen Erwartungen, denen der jungen Geflüchteten und schließlich denen von Staat und Gesellschaft? Wie können wir Lösungsoptionen finden, die es jungen Geflüchteten erlauben, einen selbstbestimmten und sicheren Platz in der Gesellschaft zu finden? Wie können junge Geflüchtete nachhaltig und selbstbewusst in den Arbeitsmarkt münden? Diese Fragen wollen wir im Rahmen der Veranstaltung vertiefen. In ihrem Aufsatz „Integration und Identitätsbildung junger Geflüchteter in der Jugendhilfe – ein Drahtseilakt ohne Sicherung“ kritisiert Irmela Wiesinger belastende Doppelbotschaft en und die Verwehrung von Zukunftsperspektiven als eine Ursache krisenhafter Entwicklungen. Trotzdem kann ihrer Ansicht nach auch Jugendhilfe und Sozialarbeit dem etwas entgegensetzen, indem Angebote der Zielgruppe entsprechend ausgerichtet werden. Irmela Wiesinger betont die Bedeutung von flucht- und migrationserfahrenenen MultiplikatorInnen, die mittels kultureller und politischer Bildungsangebote das psychische Wohlbefinden und die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Geflüchteten positiv befördern können. Und „eine trauma- und migrationssensible Biografiearbeit kann … dazu beitragen, dass kritische Lebensereignisse und Leiderfahrungen bewältigt und in die eigene Lebensgeschichte integriert werden.“

Referentin: Irmela Wiesinger
Bundesfachverband unbegleitete minderjährige
Flüchtlinge e.V. (BumF) zur Frage, wie Identitäts-
bildung und Integration bei jugendlichen
Geflüchteten bei schwieriger
Rechtslage gelingen kann.

Donnerstag, 05.12.19, um 17:30 Uhr im Jugendfreizeitheim Findorff, Neukirchstr. 23 A, 28215 Bremen

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